Was mich ärgert……


Es gibt ein paar kleine Dinge, ein paar Alltags-Dinge die mich ärgern, zwar nicht so sehr ärgern, dass ich ausrasten würde, aber dennoch ärgern.

Da ist zum Beispiel das „Eltern-unter-Entscheidungsdruck-bringende-Sammel-Gedöne“: Letzten Sommer, also als Champ in die Schule kam, da waren ja Pokemon Karten total „in“. Die ersten 2-3 hat er von anderen Kindern irgendwie geschenkt bekommen, dann hat er damit weiter getauscht, so lange bis er an die 20 Karten durch tauschen „erwirtschaftet“ hatte. Und dann wollte er natürlich mehr und auch bessere Karten. Und natürlich hat er die dann auch zur nächsten Gelegenheit geschenkt bekommen. Er war superstolz und glücklich, nahm sie immer mit zur Schule und hat fleißig getauscht. Ich dachte „naja, wenn es ihm Spaß macht“, denn ich weiß ja, dass Champ sowieso ein Sammler ist (wir haben sämtliche Überraschungseier-Inhalte, die Champ jemals bekommen hat in allen möglichen Boxen und Dosen. Ohne Boxen und Dosen kann Champ sowieso nicht leben, denn da sind außerdem noch drin: Bemalte und gesammelte Zettelchen, Sticker, Steine, Stöckchen, Lieblingsstücke/Schätze, Mini-Plastik-Autos, Fundstücke, gebastelte Kleinigkeiten und vieles mehr).

Aber recht bald fiel mir auf, dass die Pokemon-Mania nachliess und Champ die Karten immer seltener und irgendwann gar nicht mehr mitnahm.

Dann waren auf einmal Ninjago Karten da und „in“ und natürlich fand Champ auch die klasse. Aber ich fand die dann nicht mehr klasse. Der Preis war hier zwar mit einem Euro für ein Pack mit 5 Karten vertretbarer als bei den Pokemon Karten (4,99 Euro für ein normales Pack!), aber ich hatte keine Lust, noch ein neue Sammelaktion zu beginnen. Vor allem deswegen nicht, weil ich mir ziemlich sicher war, dass sie in spätestens einem halben Jahr wieder überholt sein wird und schon wieder eine neue anstehen würde.

Aber das „Nein-sagen“ ist so verdammt schwer und natürlich durfte Champ mittlerweile auch ein Tütchen Ninjago Karten kaufen und ein paar zusätzliche hat er sich vertauscht.

Aber das Ganze ärgert mich. Es ärgert mich, was die Spielzeug-und Bespaßungsindustrie alles produziert für Kleinkinder und Kinder. Eltern müssen in gewisser Weise ständig kämpfen, ständig Entscheidungen treffen. Ein paar Kinder haben dieses oder jenes, dann haben es bald ganz viele Kinder auf dem Schulhof  und dann bleiben einem nur noch zwei Wege:

Weg 1: Mitmachen & alle aktuellen Sammelstücke auch kaufen und „In“ sein & dabei sein.

Weg 2: Der unbequeme Weg des Nein Sagens.

Dummerweise geht Weg 2 immer mit Diskussionen, Erklärungen, Unzufriedenheit, einem leicht schlechten Gewissen oder Gefühl und außerdem ziemlich viel Energieaufwand einher. Es ist definitiv der unbequemere Weg. Und trotzdem gehe ich ihn immer wieder. Ich gehe ihn zum einen aus Überzeugung, zum anderen aber auch aus verschiedenen praktischen Gründen: Aus Platzgründen, ich weiß einfach nicht, wohin mit dem ganzen Zeug. Aus finanziellen Gründen, ich finde nicht, dass diese Ausgaben so sein müssen, es wäre an anderer Stelle sicherlich besser für das Kind investiert. Ich frage mich aber bei all dem immer: Wieso wird es einem denn bloß so schwer und unbequem gemacht? Das ist für die Eltern nicht schön und für die Kinder genauso wenig. Es ist ein ständiges Spiel zwischen Herausforderung auf der einen und Enttäuschung auf der anderen Seite.

Aber nicht genug damit, dass es diese Karten gibt, es gibt außerdem noch passend dazu sämtliche Sammelhefte, Figuren, Münzen, Sticker. Und außerdem noch Lego-Überraschungstütchen mit irgendwelchen Schutzschildern (????) und vieles mehr.

Und das ärgert, das nervt.

Vor ein paar Monaten kam dann noch die Krönung obendrauf: Da kam Champ aus der Schule mit einer Brochüre zu einer Kinderzeitschrift nach Hause. Laut Champ hätte ich nun bitte ganz schnell den Abonnement Zettel ausfüllen sollen, denn dann bekäme er die erste Zeitschrift noch in der gleichen Woche in der Schule und zudem würde ich noch XXX Euro bei diesem Deal sparen.

Ich dachte, ich höre nicht richtig. Da war tatsächlich ein Vertreter dieses Verlags in die Klasse gekommen und hatte den Kindern diese Zeitschrift vorgestellt und zwar so werbewirksam, dass Champ, davon überzeugt war, wenn er diese bekommt, hat er nie mehr Langeweile!

Ich habe zunächst einmal nichts zu dem Ganzen gesagt und Champ auf den Abend vertröstet, weil ich erst einmal nachdenken und mit Daddy Cool sprechen wollte. Zum Glück kamen wir beide zur gleichen Überzeugung, nämlich der, dass diese Zeitschrift nicht sein muss.

Das habe ich Champ am Abend erklärt. Es war nicht einfach, aber er hat es schlußendlich akzeptiert. Später habe ich erfahren, dass die Heiratsfreundin die Zeitschrift auch nicht abonniert hatte ; ) Aber Champ war an diesem Abend ehrlich endtäuscht, denn er hatte sich ja nun schließlich kein neues Spielzeug gewünscht, sondern eine Zeitung!

Jetzt nach ein paar Monaten ist die Zeitschrift längst vergessen und Champ hat die Endtäuschung überwunden, er hat nie mehr danach gefragt.

Trotzdem bleibt bei all diesen Dingen für Eltern immer das blöde Gefühl, endtäuscht zu haben.

Klar, Endtäuschungen gehören auch dazu und die Kinder lernen dadurch ja auch, aber muss es denn immer wieder sein?

Müssen Kinder so beworben werden? Wieso ist das ok?

Das war nun eines meiner kleinen „Alltags-Ärger-Themen“, aber es gibt da noch ein paar mehr ; ) Aber damit es für heute nicht zu viel und lang wird, packe ich diese anderen Themen lieber in einen separaten Blogpost ; )

In diesem Sinne: Fortsetzung folgt bald! : )

Eure,

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