Unsere Kur auf Langeoog: 11.05. – 01.06.2016

 

“Unsere Zeit auf Langeoog war genau richtig, so wie sie war und hätte besser nicht sein können”

Ich bin am 11. Mai losgefahren mit dem Gedanken:

“Ich freue mich auf diese drei Wochen. Ich habe keine Ahnung, wie es wird, was mich erwartet (das war meine erste Kur-Erfahrung). Aber selbst wenn es eine Katastrophe wird, ist es trotzdem gut, denn es wird mich in irgendeiner Weise weiterbringen.”

Vorgenommen hatte ich mir:

“Egal was kommt, ich mache alles, was mir geraten wird, nehme an allem teil.”

Gewünscht hatte ich mir:

“Ich möchte, dass die Kinder ihre Ruhe und Freiheit haben und einfach nur Kinder sein und spielen dürfen. Ich möchte Zeit mit meinen Kindern haben, um mit ihnen zu spielen oder sie zu beobachten. Ich möchte Zeit für mich zum Schreiben und Lesen haben”

Als wir uns am 11. Mai nachmittags alle im Speisesaal einfanden und die ersten Infos und Terminpläne bekamen, war mein erster Gedanke beim Anblick des augenscheinlichen Chaoses anhand von etwa 40 Frauen mit jeweils 1-3 Kindern:

“Oh, das wird ja heiter werden… Die Mahlzeiten werden sicher spaßig. Aber egal, da muss ich dann wohl durch.”

Meine nächste “Hürde” war das Auspacken im Zimmer. Irgendwie sollten ja nun alle unsere Sachen einmal aus der Tasche und dem Koffer in die Schränke und Regale, denn bei drei Wochen lohnt sich das Auspacken ja schließlich! Meine Kinder nahmen diese “Auspackzeit” zum Anlass, jetzt endlich mal das an Bewegung nachzuholen, was sie während der Auto-und Schifffahrt, bzw. im Speisesaal versäumt hatten, und begannen auf den Betten Tramoubin zu springen! Diese ersten zwei Stunden im Zimmer haben mich, glaube ich, ziemlich viel Kraft, Nerven und Energie gekostet, bis alles verstaut und meine beiden Wildfänge gebändigt waren.

Sobald alles ausgepackt war und das Zimmer sozusagen unseres geworden war, wurde alles besser!

Es war so, wie “Champ” sagte:

“Mama, jetzt wo alle unsere Sachen da sind, ist das hier unsere Wohnung und unser zuhause geworden!”

Wir waren an diesem, ersten Tag noch zum Wiegen & Messen und beim Doktor, haben alles geschafft!

Und den Doktor haben die Kinder gleich am ersten Tag ins Herz geschlossen, der hieß nämlich fortan bei uns “Doc” – ganz so wie der Kinderarzt in den Büchern von Prof. Dietrich Grönemeyer.

Die erste Nacht hatte ein paar kleinere Unterbrechungen: Champ wurde einmal kurz wach und auch Princess. Es war aber trotzdem ok und wir waren pünktlich fertig am nächsten Morgen.

Beim Frühstück überfiel mich allerdings noch einmal das “Chaos-Gefühl”: Wieder waren da diese 40 Frauen und noch mehr Kinder. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Gewohnheiten, jedem ist was Anderes wichtig. Und dann ist es schwierig, dem eigenen Kind klar zu machen, “so nicht, wir sitzen am Tisch, laufen nicht herum und, und, und”

Selbst wenn man Ruhe bewahrt und alles so machen will, wie zuhause: Es gelingt einem nicht!

Aber ich glaube, spätestens am dritten Tag habe ich aufgegeben und die Situation so akzeptiert, wie sie war, denn ändern konnte ich sie eh nicht.

Meine Lösung für mich/uns war:

Ich habe mich an meinen Wunsch erinnert “die Kinder Kinder sein lassen zu wollen”. Also habe ich sie machen lassen und nach jedem Mittagessen Princess ein sauberes shirt angezogen. Somit habe ich zwar öfter mal gewaschen, aber das Bügeln habe ich mir gespart, machte ja eh keinen Sinn.

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Nun kamen die ersten beiden Tage Kindergarten und für mich die ersten Termine: Hausführung, Begrüßungsrunde, Entspannungstherapie und psychosoziales Einzelgespräch.

Der “Start” in diese drei besonderen Wochen war zum Glück nicht schwer, da beide Kinder ihren ersten Tag im Kindergarten mit Bravour und ohne Tränen absolvierten.

Allerdings gab es bei Princess in den folgenden Tagen doch die Tränen beim Bringen in den Kindergarten, was mir sehr schwer gefallen ist. Schlußendlich hat sie nie lange geweint und ich wurde nie aus einem Termin herausgerufen, aber für mich war das Loslassen und Gehen nicht einfach. Um ihr und mir zu helfen, habe ich sie so rechtzeitig gebracht, dass mir immer mindestens 20 Minuten bis zum nächsten Termin blieben. So musste ich zum einen sie nicht hetzen, sondern konnte ihr ihre Zeit mit mir lassen und ich hatte immer noch 5 Minuten, in denen ich in der Sandhasengruppe in der Ecke hinter der Tür wartete, bis ich hören konnte, dass sie aufgehört hatte zu weinen und anfing zu spielen und zu lachen. So stand ich zwar manches mal selber weinend in der Ecke, aber es ging mir besser so und meine Tochter hat mich nicht weinen sehen.

Überraschenderweise ist es mir immer gelungen, sobald ich meine Position hinter der Tür verlassen hatte, abzuschalten und mich voll auf mein Programm zu konzentrieren.

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Mein Programm das waren:

  • Vorträge/Seminare zum Thema “Klima und Kur, Sauna, Kneipp”, “Schlaf und Gesundheitspräventation”, “Stress und Stressbewältigung”, “Vom Zusammenspiel von Körper und Seele – Vortrag zum Thema Psychosomatik”, “Positive Erziehung”, “gesunde Ernährung” (zu den detaillierten Inhalten der Seminare und Vorträge wird es noch einen gesonderten Blogpost geben!)
  • Nordic Walking
  • Kneippgüsse
  • Entspannungstherapie
  • Rückenschule
  • Massagen
  • Psychosoziale Einzelgespräche

Ich habe alles gerne gemacht, war glücklich über die Anregungen, die ich bekommen habe und habe bei vielem richtigen Spaß gehabt und lachen können:

Zunächst habe ich zum Beispiel gedacht, als ich auf dem Terminplan sah “Nordic Walking 90 Minuten”: “Mann, 90 Minuten Walking, was für eine Zeitverschwendung. In dieser Zeit könnte ich so viel Anderes machen, denn Walking mache ich ja zuhause sowieso “gezwungenermaßen” immer.

Ich habe es angesprochen und mir wurde geraten, es auszuprobieren.

Schließlich war es Champ, der ein Machtwort sprach und meinte “Mama, die Rita sagt doch immer probieren ist studieren! Also mach das jetzt einfach mal mit!”

Ich habe es gemacht, ich habe es ausprobiert und es war gut, es war verdammt gut! Es war sogar an dem Tag gut, an dem es in Strömen regnete, der Wind pfiff und wir alle völlig durchnässt wurden. Dieser Regentag war sogar eine besondere Erfahrung, es hat gut getan mit den Elementen, mit der Natur kämpfen zu müssen und nicht aufzugeben. Interessanterweise hatte ich an diesem Tag kein einziges Mal den Gedanken, nicht gehen zu wollen, oder einfach abzubrechen.

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Das Nordic Walking war so gut, dass ich es nun weitermachen möchte und wieder war es Champ, der es auf den Punkt brachte, indem er sagte:

“Mama, willst Du jetzt auch solche Stöcker haben? Dann sage ich das mal dem Papa und der Oma & dem Opa – Du hast doch bald Geburtstag”

Und so ist nun eines meiner Geburtstagsgeschenke organisiert und auf dem Weg…

Eines war jedoch bei den Walking Terminen etwas “grenzwertig” und erforderte von mir organisiert zu sein. Das war das sehr frühe Bringen von Princess in die Sandhasengruppe. Hat aber letztlich immer geklappt.

Dann stand “Rückenschule” auf meinem Terminplan. Das wiederrum fand ich interessant, hatte aber, da ich auch das noch nie gemacht hatte, keine Ahnung, was kommen würde.

Ich war total überrascht:

Eine lockere Atmosphäre durch peppig, ausgelassene Musik und eine absolut lustige und fröhliche Therapeutin mit einem solch trockenen Humor, dass es uns alle wirklich zum lauten Lachen gebracht hat.

Ich hatte dort im wahrsten Sinne des Wortes SPASS. Ich habe gelacht und nebenbei etwas für meinen Rücken getan und ein paar Übungen gelernt, die ich heute immer noch zuhause mit unserem “Familiengymnastikball” mache!

Ja und dann war da noch die Entspanungstherapie und die habe ich genossen und habe mir nach jeder Sitzung”, die Sprüche, die uns sie Therapeutin für den Tag mit auf den Weg gab, in meinem Notizbuch aufgeschrieben.

Ich bin bei jeder Sitzung weggedöst und fast eingeschlafen, was für mich eine gute Erfahrung war, weil ich wirklich alles losgelassen habe und mich entspannt habe.

Ich glaube, ich hätte gerne noch einige Termine zur Entspannungatherapie auf meinem Plan gehabt – es war schön, einmal, wirklich gar nichts, als Entspannen zu tun!

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Ja und dann waren da die psychosozialen Gespräche. Ich hatte Gespräche bei beiden Psychotherapeuten der Klinik, sowie auch beim “Doc”. Diese Gespräche haben mir sehr geholfen, haben mich vieles verstehen und sehen lassen, was ich zwar zum Teil irgendwo in mir drin schon wusste, aber noch nicht so zu Tage befördert hatte. Alle Gespräche haben mich persönlich weitergebracht und mir das Gefühl gegeben, etwas gelernt zu haben.

Ich hatte letztlich nicht nur diejenigen Gespräche, die auf meinem Terminplan vermerkt standen, sondern mehr als das. Ich bin dem “Doc” und meiner Therapeutin dankbar, dass sie sich die Zeit genommen haben, mir auch außerhalb dieser Terminplanzeiten zuzuhören und zum Teil auch von sich selber zu erzählen. Das hat richtig gutgetan und das beste war: Ich habe mich wirklich und ehrlich verstanden gefühlt! Vielen Dank dafür!

Oh ja, die Seminare und Vorträge sollte ich auch nicht vergessen, denn auch diese waren enorm wichtig für mich und haben mir viel an medizinischem und psychologischem, sowie pädagogischem Fachwissen vermittelt, für das ich dankbar bin und das ich gerne weiter ausbauen möchte.

Ach ja: Das Kneippen mache ich nun auch zuhause jeden Morgen. Und Sebastian Kneipps “meine Wasserkur” liegt neben einigen anderen psychosomatischen und pädagogischen Titeln auf meinem Arbeitstisch.

Ich habe zurück zuhause einen Ordner “Unser Langeoog 11.05-01.06.” angelegt, in dem ich alle meine persönlichen Erfahrungen und alle in den Seminaren etc. erhaltenen print outs abgeheftet habe, um so immer alles “zum nochmal nachgucken” griffbereit zu haben.

Da ich auch viele Fotos mit abgeheftet habe, wird dieser Ordner jetzt nicht nur von mir des Öfteren durchgeblättert, sondern auch von den Kindern!

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Es gab viele lustige Momente, vor allem mit und für die Kinder, oder aber bei meinen Therapien. Es gab Momente, in denen ich erst nicht recht wusste, was ich sagen sollte, z.B. als mein Sohn eines morgens im Speisesaal ganz gedankenverloren ziemlich laut sagte “Mama, wieso sind eigentlich alle Frauen, die zur Kur fahren so dick?” Es gab traurige Momente, vor allem in den letzten Tagen bei den letzten Gesprächen. Es gab Momente des Innehaltens und Nachdenkens. Es gab Momente mit ein klein wenig Stress, wenn  Princess bereits morgens gegen 08:15 Uhr in die Sandhasengruppe sollte, damit ich pünktlich zum Nordic Walking erscheine. Es gab Momente der Aufregung: “Hurra, Mama, wir gehen ins Legoland!”

Und alles gehörte dazu, hat Spaß gemacht und hat es zu unserer ganz eigenen Kur gemacht.

Mit bestimmten Wünschen und Vorsetzen war ich in die Kur gefahren, zurückgekommen bin ich:

Mit der Sicherheit:

Meine Kinder und ich sind stark, wir können uns ohne Probleme auf neue Situationen, Menschen und Umgebungen einstellen und uns spontan in einer neuen Umgebung wohlfühlen. Und das tat gut, das zu fühlen und wissen!

Ich vertraue mir und meinen Kindern. Ich weiß, ich bin gut für meine Kinder und meine Kinder für mich.

Ich werde meinen Weg gehen mit meinen Kindern.

Ich glaube an das Gute und an uns als Familie zu viert.

Langeoog war prägend für uns und bleibt in unseren Köpfen – dafür sorgen nun unser Langeoog-Ordner, die Postkarten, die Schale mit Nordseesand, Muscheln und Kerzen, die Fotos…

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Mit dem Wunsch:

Ich möchte noch einmal eine solche Kur machen dürfen.

Hierzu fragte mich Champ schon in der Kur einmal: “Mama ich anderen haben gesagt, man kann so eine Kur nur alle 4 Jahre machen. Stimmt das? Dann bin ich ja schon 10, können wir das nicht auch vorher machen, das war so schön und macht so einen Spaß!”

Mit den Vorsätzen:

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Ich werde mehr auf mich achtgeben und einige Dinge im Alltag ein wenig ändern, bzw. einfügen.

Ich möchte ein paar Dinge/Anregungen aus der Kur beibehalten und nicht mehr wieder aufgeben.

Der “Doc” und meine Therapeutin haben nun einen Platz in meinem Kopf und ich glaube ich möchte beide da nun nie mehr wieder raus lassen;-)

Reden hilft bei allem – es darf keine Tabuthemen geben.

Jede Art von Entwicklung ist besser als der Status Quo und das Nichts Tun.

Es gibt keine Probleme nur Lösungen! (Vielen Dank “Doc”! ;-))

Wie ist das bei Euch, habt auch Ihr eine Kur-Erfahrung?

Eure

kate

 


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