7 Jahre…Geschenk und Herausforderung – Grenzenlose Liebe und manchmal ein wenig Verzweiflung

Geschenk und Herausforderung - Mamagefühle - mein Leben

„Nach dem Sommer kann ich dann nicht mehr vormittags, dann fange ich wieder an zu arbeiten“, das sagten sie eines Tages alle bei einem unserer Vorbereitungstreffen für den Mini-Gottesdienst. Jedenfalls kam es mir so vor…. Und  es machte mich sprachlos, betroffen und beschämt zugleich, denn ich konnte das nicht sagen. Bei mir würde sich auch nach dem Sommer nichts ändern, ich konnte auch weiterhin an Vormittagen. Ich war weiterhin „nur“ Mama und „nur“ Hausfrau, Frau für alles, House-Manager sozusagen. Das hat so sehr an mir genagt und ich habe diese Situation und viele andere nie mehr vergessen. Geschenk und Herausforderung …

Das ist nun knapp zwei Jahre her.

Nicht, dass ich nicht froh und dankbar bin, Mama zu sein. Nicht, dass ich nicht mit Herz & Seele Mama wäre. Nicht, dass ich mir ein Leben ohne meine beiden Mäuse nicht mehr vorstellen könnte. Nicht, dass ich nicht trotzdem zufrieden und glücklich gewesen wäre. Nicht, dass ich weg wollte von meinen Kindern (das hätte ich mir am Anfang nichtmal im Traum vorstellen können). Aber es hat immer an mir genagt, dass ich keinen Arbeitgeber hatte, zu dem ich nach der Elternzeit zurückkehren konnte. Denn als wir wegen der Arbeitsstelle von Daddy Cool Abu Dhabi verlassen haben und hierher kamen war Champ gerade geboren. Ich hatte meinen Job aus zwei Gründen aufgeben müssen: Baby und Umzug und Dank des Umzugs hatte ich keinen Arbeitgeber, zu dem ich zurückkehren konnte. Und es schien schier unmöglich, eine Stelle in Teilzeit (denn Vollzeit möchte ich mir und den Kindern nicht antun) zu finden. So oft kam ich mir  vor, als hätte ich einen Stempel auf der Stirn, der sagte „arbeitslos“ – in meinem Post Labels habe ich über dieses Gefühl geschrieben. Es hat so manches Mal mein Selbstwertgefühl belastet und es war tatsächlich ganz oft Geschenk und Herausforderung zugleich für mich. Ich war froh und dankbar, die Möglichkeit zu haben, bei meinen Kindern sein zu dürfen, aber trotzdem hat mir ganz oft das Arbeiten gefehlt.

Oft habe ich mich schlecht gefühlt, nicht auch mein eigenes Geld zu verdienen. Bei allem, was ich gemacht habe oder für mich gekauft habe, habe ich dreimal überlegt. Ich habe mich schlecht gefühlt, nicht in gleichem Maße auch zum Familienbudget beizutragen.

Es waren sieben Jahre Geschenk und Herausforderung, 7 Jahre grenzenlose Liebe und ein wenig Verzweiflung. Champ ist inzwischen in der zweiten Klasse und Princess hat ihr zweites Kindergartenjahr begonnen. Beide werden immer selbständiger und brauchen mich jetzt anders als früher. Die Vormittage sind kinderfrei, beide sind mit ihren Dingen beschäftigt.

Oft habe ich am Tisch gesessen und gegrübelt.

Geschenk und Herausforderung - Mamagefühle - Vormittags - Grübeln

Ich habe begonnen, mir Aufgaben und Herausforderungen zu suchen. Ich habe begonnen zu bloggen. Ich habe begonnen, wieder viel mehr zu lesen und kreative Dinge zu tun. Das hat gut getan und geholfen, es war Nahrung für meinen Kopf. Ich hätte gerne Kleinkindpädagogik & Entwicklungspsychologie im Fernstudium studiert, aber dazu fehlte der Mut, bei nur einem Einkommen. Ich habe wieder begonnen, mich zu bewerben, quer Beet überall, aber es hat nie geklappt und nie gepasst.

Und jetzt, wo ich mich eigentlich gar nicht richtig beworben habe und wo ich dachte, da wird eh nichts draus. Jetzt, wo ich eigentlich aufgegeben hatte und begonnen hatte,  zu glauben, ich finde nie mehr etwas. Da passierte es plötzlich und ganz unerwartet:

Ich bekomme nach einem wirklich netten und für meine Begriffe informellen und zwanglosen Vorstellungsgespräch eine Z U S A G E! Ich konnte es erst nicht recht glauben, aber es war wahr und eine Woche später hatte ich meinen Vertrag: Teilzeit (20 Stunden mit Option zu erweitern, falls ich möchte), hier in Wolfsburg. Ich konnte selber entscheiden, ob ich eine 4 oder 5 Tage-Woche möchte.

Ich hatte wirklich nicht mehr daran geglaubt und war so froh. Mitte diesen Monats geht es los und ich kann’s immer noch nicht glauben, dass ich nun endlich eine W O R K I N G  M O M bin, ich meine so richtig mit Festanstellung und so!

Das ist also mein großes „Geheimnis“ der letzten Wochen, über das ich vorher noch nicht reden wollte und was sicherlich auch einiges an „Neu-Organisation“ des Familienlebens mit sich bringen wird, auch wenn sich an Champ und Princess Betreungs-Situation zunächst nichts ändern wird, sie werden nicht länger in den Einrichtungen bleiben müssen als bisher. Ich freue mich so sehr und sage mir immer wieder: „egal, wie es wird, egal, was kommt, ich werde an jedem einzelnen Tag dankbar sein, arbeiten zu dürfen“. Und ich glaube, auch wenn es vielleicht auf der einen Seite mehr Belastung für mich ist, es dennoch für uns alle besser ist. Denn mein Kopf ist nicht mehr nur zuhause, es kommt frischer Wind in den Kopf und das kommt garantiert allen hier zu Gute. Denn abgesehen davon, dass es mehr Belastung ist, glaube ich, dass es auch ausgeglichener macht.

Ich habe keine Ahnung, wie es werden wird, aber es kann eigentlich nur gut werden und das für alle, denn meine Einstellung zu allem ist gänzlich positiv! Es wird auch weiterhin Geschenk und Herausforderung bleiben, denn Champ und Princess sind das größte Geschenk, aber sie bringen mich auch fast täglich an meine Grenzen.

Aber das Bloggen werde ich dennoch nicht aufgeben, denn das ist nun zu meiner Leidenschaft geworden, die ich nicht mehr missen möchte, genau, wie das Malen und Lettern. Das Schreiben und das Kreativ Arbeiten sind eben auch Dinge, die mein Kopf braucht und wahrscheinlich nicht nur mein Kopf…

Und nun bin ich ganz einfach gespannt auf diesen, meinen, unseren, neuen Weg und freue mich darauf!

 

Eure,

PS.: Falls Ihr hier noch nicht so lange mitlesen solltet, schaut doch einmal hier, oder hier, oder hier rein : )