Was mich ärgert – Teil 2 / Bitte, Danke & Entschuldigung…

was mich ärgert - im Geschäft - Minions - einmischen

Vor ein paar Wochen da hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art, der Art: was mich ärgert. Wenn ich jetzt daran zurückdenke, macht es mich noch immer wütend und traurig zugleich, es ärgert mich und ich kann es nicht so einfach wegstecken. Es war eine Situation, in der es um dieses Wort ging:

was mich ärgert - Danke - aquarellieren

Und das kam so:

Ich war mit Champ und Princess unterwegs, den Einkauf bei Rewe erledigen. Es war schon ein wenig später am Nachmittag und Princess war müde. Auch Champs Laune ließ etwas zu Wünschen übrig. Damals gab es noch die Minions-Sammelsaktion. Als wir an der Kasse stehen – Champ war nicht mit zur Kasse gekommen, sondern gleich zum Zeitungsstand gegangen und hat somit von nichts etwas mitbekommen – beginnt Princess natürlich nach den Minionskarten zu fragen. Ich erkläre ihr, dass wir keine bekommen werden, da wir nur eine paar Teile hatten und den Betrag von 15 ,– Euro nicht erreichen würden. Princess läßt nicht locker und fragt die Kassiererin immer wieder.

Soweit die Fakten, der Status Quo sozusagen.

Nun kommt die Dame hinter uns mit ins Spiel und sagt zu Princess gewandt: „Du kannst gleich meine Karten haben, ich brauche die nicht.“ Princess ist happy und hüpft. Ich meine in diesem Moment kurz „Danke“ zu der Dame gesagt zu haben, kann mich aber nicht mit 100%-iger Sicherheit erinnern. Denn Princess war weiterhin ungeduldig und „attackierte“ die Kassiererin schon wieder, um endlich ihre Karten zu bekommen, obwohl wir gerade noch beim Bezahlen waren und somit die Dame hinter uns noch nicht mit ihrem Einkauf an der Reihe war. Und so war ich, während ich mein Wechselgeld versuchte wieder zu verstauen & gleichzeitig unsere Einkäufe einsammelte, auch noch bemüht Princess im Schach zu halten.

Als Princess nun ihre Karten von der Dame bekam, war sie natürlich total happy und aufgeregt und hat einfach nur mit ihren Karten herumgehüpft und die Verpackung gleich aufgerissen. Sie hat die Dame – also die freundliche Schenkerin – gar nicht weiter beachtet oder gar mit ihr gesprochen. Ich selber musste kurz zum Zeitungsstand gehen, um Champ Bescheid zu sagen, dass wir fertig sind und nun gehen. Dabei habe ich Champ auch zwei Tütchen mit Minionskarten gegeben. Denn Princess hatte 4 bekommen und ich wollte es gerecht verteilen.

Nun erinnere ich mich nur noch, dass die Schenker-Dame noch an der Kasse stand, zahlte und einpackte und dass Princess weiterhin aufgeregt und ziemlich laut sprach. Ich wollte uns alle drei einfach nur aus dem Weg schaffen und kein weiteres Theater im Geschäft haben. Also habe ich beide Kinder genommen und nach draußen geschoben, um niemanden mehr zu stören. Draußen setzte dann – wie sollte es auch anderes sein, ich kann ja schließlich nicht vorher sehen, welche Karte sich in welcher Verpackung befindet, ein Gezeter und eine Streiterei an. Klaro, Champ will Karten von Princess, weil er damit dann seine Sammlung fast komplett hat, sie will aber nicht tauschen und möchte sich ihre Karten nicht einfach abnehmen lassen. Ihr kennt das oder???

Ich hocke also seitlich vom Haupteingang am Boden vor den Kindern und versuche den Streit zu schlichten, das Problem zu lösen und Frieden wiederherzustellen. Beide Kinder verteidigen recht lautstark ihre Rechte. Ich bin allmählich genervt, habe keine Lust mehr und will nachhause.

In diesem lauten Moment, kommt von hinten die Schenker-Dame auf uns zu, stellt kurz ihre Tüten ab, beugt sich ein wenig runter zu uns und sagt vor den Kindern in einer Art, dass es zwar eine Nachricht für mich ist, jedoch dennoch irgendwie an die Kinder gewandt, um mich anzuklagen: „Das waren doch ihre beiden Kinder, die von mir die Karten bekommen haben! Wenn ihre Kinder es schon nicht selber schaffen, sich zu bedanken, dann sollten wenigsten sie das tun. Das gehört für mich zu Erziehung dazu. Ich finde das unmöglich (mit einem Ton und Blick auf die Kinder, der sagt „eure Mutter ist unmöglich)! 

Sprach’s und ging.

Mein erster Gedanke in diesem Moment war, Champ und Princess die Karten aus den Händen zu nehmen und der Schenker-Dame mit einem ganz herzlichen Dank wiederzugeben.

Da sie mich sowieso nicht zu Wort kommen ließ, war das einzige, was ich gesagt habe „Vielen Dank“!

Das hat mich so geärgert und im Nachhinein, kamen mir dann alle Worte, alle Sätze in den Sinn, die ich hätte sagen sollen, sagen wollen.

Ein Gutes hatte die ganze Situation jedoch: Champ und Princess waren erse einmal schlagartig still – zumindest solange die Schenkerin bei uns stand.

Ich wollte das Ganze aber vor den Kindern nicht so stehen lassen, weil ich mich selber schlecht fühlte. Also habe ich Champ (der ja im Übrigen gar keine Ahnung hatte, wer die Dame war und was sie eigentlich wollte, denn er war ja am Zeitungsstand gewesen) und Princess erklärt, dass die Dame Recht hatte und ich, bzw. wir uns hätten bedanken sollen, dass ein „Danke“ wichtig ist und eine Wertschätzung ist. Habe aber auch erwähnt, dass ich meine, mich zu erinnern, gleich zu Beginn kurz „Danke“ gesagt zu haben. Und dann habe ich den Kindern erklärt, dass es aber auch das Wort             A C H T S A M K E I T gibt und dass es bedeutet, dass man ein bisschen aufpasst und sich eine Situation genau anschaut und dann bei dem was man macht und sagt auch an den anderen denkt und sich immer erst einmal fragt, wie man sich selber in der gleichen Situation fühlen würde. Ich habe ihnen versucht zu erklären, dass Verständnis wichtig ist.

Und ich habe ihnen gesagt, dass ich weiß, dass weder sie beide, noch ich unmöglich sind, denn wir kennen und benutzen das Wort „Danke“ und meinen es auch wenn wir es benutzen. Und nicht nur das. noch zwei andere Worte sind in unserem Wortschatz und unserem Wesen verankert nämlich ein

was mich ärgert - Entschuldigung - wichtige Worte

und ein

was mich ärgert - Bitte - wichtige Worte

Diese drei Worte – Bitte – Danke und Entschuldigung – sind nicht nur leere Worte für uns. Die Kinder benutzen sie und wenn sie sie benutzen, dann meinen sie es auch so, wie sie es sagen. Normalerweise brauche ich sie nicht an ein „Danke“ zu erinnern, sie fühlen und sagen es einfach. So oft kommt Princess einfach so zu mir gelaufen und sagt „Danke Mama“ wenn es etwas zu essen gibt, was sie liebt, oder wenn sie Schokolade essen darf. Oder Champ, wenn ich ihm, ohne es ihm vorher zu sagen oder zu versprechen neue und andere Stifte (Champ und ich können ja nicht leben mit nur normalen Holzstiften, Wasserfarben und Filzstiften, wir brauchen außerdem Eddings, Fineliner, Glitzerstifte, Faser-Maler, Marker, Kreiden und und und…) für ihn mitgebracht habe oder aber, wenn ich ihm erlaube, diese oder jene meiner Stifte und Farben selbständig zu benutzen.

Ich weiß so genau, dass meine Kinder diese Worte kennen und auch benutzen und deswegen hat mich diese schnippische Rüge der Schenkerin vor den Kindern so maßlos geärgert und traurig gemacht.

Weil ich wieß, dass es nicht stimmt.

Weil ich weiß, dass in dieser Situation vielleicht ihr Verständnis, ihre Empathie wichtiger als mein Danke gewesen wäre.

Weil ich weiß, dass ich nicht bewußt etwas falsch gemacht habe.

Es passiert mir eigentlich recht oft, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin, dass ich angesprochen werde, oder sich hier und da und dort ein Gespräch ergibt. Ganz oft sind dies sogar nette Gespräche, schöne Situationen, lustige Momente und es macht mir im Allgemeinen nichts aus, wenn sich jemand „einfach so einzumischen“ versucht und etwas, was entweder ich oder die Kinder gesagt oder getan haben, kommentiert. Ich komme gerne mit anderen Menschen auf der Straße oder im Geschäft ins Gespräch. Aber ich mag es nicht und finde es auch nicht richtig, eine existierende Situation und deren Hintergründe, die man als Außenstehender meist nicht kennt, zu beurteilen, Schlüsse zu ziehen und dann jemanden bloßstellen zu wollen und das in meinem Falle auch noch vor den Kindern. Auch das gehört für mich zu Erziehung (wenn man bei der gleichen Wortwahl der Schenkerin bleiben möchte, wobei ich es lieber nicht Erziehung, sondern Menschlichkeit nennen möchte).

Als wir wieder zuhause waren, habe ich erstmal kurz bei der Weltbesten Nachbarin geklingelt und ihr von meinem „Erlebnis“ erzählt, denn irgendwo musste ich nun mal hin mit meinem Ärger. Die Weltbeste Nachbarin war total süss und meinte, ich hätte der Dame sagen sollen „sie haben wohl gerade nichts zu tun, ich allerdings schon!“

Und mir ist bewußt geworden, dass es mir nie in den Sinn käme, ein „Danke“ für mich einzufordern, danach zu fragen, darauf hinzuweisen, dass ich eines verdient hätte. Ich glaube, ich könnte das nicht, Ich würde mir „irgendwie“ blöd vorkommen.

Aber jeder ist anders und das ist auch gut so.

Kennt Ihr solche Situationen? Was macht ihr, wie verhaltet Ihr Euch, was sagt Ihr?

Eure,

PS.: falls Ihr hier noch nicht so lange mitlesen solltet, schaut doch einmal hier, oder hier oder hier rein : )