Wie macht der das eigentlich?

 

Seitdem Champ in der Schule ist, hat er, so fühlt es sich jedenfalls für mich an, eine Entwicklung durchgenacht. In den ersten Wochen hatte er auf dem Weg zur Schule oft Bauchweh, das zum Glück meist in dem Moment verschwand, in dem wir die Heiratsfreundin oder einen guten Freund aus der zweiten Klasse trafen. Wir haben zu dritt – Princess war natürlich immer mit dabei – gewartet, bis es klingelte und Champ durch das Schulportal ging.

Das machen wir zwar immer noch, aber es ist trotzdem anders. Oft dreht sich Champ erst beim Klingeln nochmal zu uns um und kommt, um Princess und mir ein Küsschen zu geben (das findet er, Gott sei Dank, noch nicht peinlich, sondern will es auch von sich aus – ich frag’ nämlich manchmal schon, ob ich das überhaupt darf!)

Champ spricht nicht mehr von Bauchweh, sondern erzählt mir alles Mögliche auf dem Weg zur Schule, er quatscht non stopp, ich komme manchmal kaum nach mit zuhören.

Aber nicht nur das. Nach und nach fielen mir immer wieder kleine Nebensächlichkeiten auf.

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Sobald wir auf den Schulhof kommen sind da immer mindestens drei Kinder auf dem Weg bis zum Eingang, die nach Champ rufen, ihn freundlich Grüßen und ihn irgendetwas zu Pokemon Karten fragen oder ihm etwas erzählen wollen.

Oft kenne ich diese Kinder nicht, sie sind manches Mal auch gar nicht aus Champs Klasse.

Zu Anfang habe ich in solchen Moment immer beruhigt gedacht „gut, dann is er wohl nu richtig angekommen.“

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Champ hatte seine Beobachtungsposition verlassen – obwohl hatte er die eigentlich wirklich gehabt, diese Beobachtungsposition? Ich weiss es nicht, manchmal kommt es mir so vor, als ob er Dinge sozusagen über Nacht erledigt und schafft.

Auf jeden Fall wurde mir allmählich bewusst, dass er immer selbstsicherer in die Schule reinging. Es war zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Er liebt den Schulhof und das Spielen dort.

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Zwar war mir aufgefallen, dass es immer mehr Kinder wurden, die uns grüßten – nein eigentlich nicht uns, sondern Champ. Auch war mir aufgefallen, dass ich überall mit „bist Du die Mama von….“ angesprochen wurde, aber das Beste kam eines Tages als wir abends, nachdem wir bei der Geburtstagsfeier der kleinen Tochter meiner Freundin waren, zum Auto gingen und nach Hause fahren wollten. Als wir also gerade die Straße überqueren, um zu unserem Auto zu gelangen, kommt auf der anderen Seite ein Auto an. Ein Kind hängt mit dem Kopf aus dem Fenster, winkt wild mit der Hand und ruft immer wieder Champs Namen und Hallo. Ich frage Champ kurz im Gehen „kennst du den?“ Darauf sagt er nur: „Ja klar kenne ich den, das ist der Juri aus der zweiten Klasse.“ Sprach’s, und geht einfach gelassen weiter zum Auto.

Der Junge steigt aus und ruft Champ zu „na dann weißt Du jetzt endlich einmal, wo ich wohne! Wir müssen uns unbedingt mal verabreden!“

Champ grinst, grüßt und winkt kurz und steigt ins Auto ein, während ich ein paar Worte mit der begeisterten Mama wechsele.

Ich steige ins Auto und denke „mamamia, Champ und seine coole Gelassenheit – wie macht der das bloss?“

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Am nächsten Tag hole ich Champ von der Schule ab und wieder haben wir eine ähnliche Szene: Ein Mädchen geht mit seiner Mutter an uns vorbei, grüßt Champ freundlich und fragt ihn irgendetwas. Er lächelt sie kurz an, antwortet aber nicht viel. Stattdessen, macht nun Princess sich lautstark bemerkbar und will auch gegrüßt werden. Das Mädchen und die Mama drehen sich noch einmal um, lächeln und rufen Princess freundlich „Hallo“ zu.

Ich fange an mich zu fragen „Wie verflixt nochmal macht der das? Er kennt jeden und er ist bekannt, wie ein bunter Hund, jeder spricht mit ihm und grüßt ihn. Und er reagiert nicht mal großartig darauf!“ Es ist so normal für ihn.

Klar, wenn wir die Heiratsfreundin treffen, oder den guten Freund aus der zweiten Klasse oder Kinder aus seiner Klasse 1, dann spricht er, stellt Fragen, erzählt, lacht, macht Quatsch und lacht sich mit ihnen kaputt.

Aber bei all den anderen begeisterten Kindern wirkt Champ auf mich „irgendwie reserviert“.

Meine Gedanken gehen weiter und ich beginne zu grübeln, ob er so nicht irgendwann von den anderen als „arrogant und hochnäsig“ abgestempelt wird.

Ich nehme mir vor, mit Champ darüber zu sprechen, weil ich nicht möchte, dass er sich in irgendeiner Weise seinen Weg „verbaut“ und sich ohne es bewusst zu tun und es zu wollen, isoliert.

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Am Abend spreche ich kurz mit Champ darüber. Seine einfache Antwort „Mama, du kennst doch auch deine Kollegen („ja, aber ich kenne nicht alle in allen anderen Abteilungen!”) und so kenne ich auch alle Kinder, das ist eben einfach so, ich kenne alle und die kennen mich. Und ich bin glücklich, wenn die mich so begrüßen und finde das schön. Nur ich bin immer nicht so aufgeregt, wie die“

Ich sage zu Champ „vielleicht ist es eine Idee, wenn du das den anderen Kindern auch wirklich zeigst, wie glücklich du bist, wenn sie dich so begrüßen“.

Das findet Champ in Ordnung.

Und ich frage mich ein weiteres Mal, was alles in seinem kleinen Köpfchen so vor sich geht und wie er seine Gefühle sortiert kriegt und alles so wunderbar logisch und einfach erklärt.

Wie macht er das alles bloß?

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Wie ist das mit Euern Erstklässlern, sind die auch alle gut angekommen?

Habt Ihr auch manchmal Momente, wo Ihr Euch fragt, was alles in diesen kleinen Köpfen vorgeht und wie alles gefühlsmäßig dort aussieht?

 

Eure,

kate