Das Holi Festival

Heute ist Holi (manche haben auch schon gestern begonnen zu feiern…). Holi ist das indische Frühjahresfest, das Fest der Farben. Es ist eines der ältesten indischen Feste und wird vorwiegend im Norden des Landes, sowie Nepal gefeiert. Es ist ein ausgelassenes Fest, ein Strassenfest und an diesem Tag scheint es auf der Strasse keine Klassenunterschiede zu geben. Jeder kann und darf mitmachen, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein buntes Gemisch.

Denn da es das Fest der Farben ist, besprühen, bespritzen, besteuben sich an diesem Tag alle gegenseitig mit Farben, um den Frühling zu begrüßen. Und so hatte unser Jahreszeitentisch heute auch die bunten Farbtöpfe und den indischen, roten Puder.

Hier könnt Ihr alle Details über Holi nachlesen.

Und nun erzähle ich Euch meine Erfahrungen mit Holi, wie ich es in Delhi erlebt habe:

Ich habe Holi nur einmal life miterlebt und zwar weil ich es unbedingt einmal gesehen haben wollte. Da wir zu dieser Zeit (2008) noch in Abu Dhabi lebten und meine beiden Schwager mit ihren Familien in Delhi, bot es sich an, dass wir zu Holi für ein paar Tage nach Delhi gefolgen sind.

Ich glaube ich hatte eine recht nostalgisch-romantische Vorstellung von Holi – klar, wenn man zu viel Bollywood geschaut hat. Da sah nämlich alles immer so lustig, schön, organisiert, ordentlich und nett aus. Die Farben schienen einfach abwaschbar und alles sah nach purer, guter Laune aus. Und das wollte ich einmal mitmachen. Ich hatte mir sogar extra eine ganz einfache, weiße Salwar Khamis (traditionelles indisches Kleid bestehend aus weiter Hose und langem Oberteil) besorgt, denn darauf sieht man die Farben dann ja besonders gut.

Zum Glück hatte Daddy Cool mir am Holi Morgen noch kurz zu Bedenken gegeben, dass die Farbe ja auch in den Haaren landen könnte und dass es vielleicht besser wäre, wenn ich mir die Dupatta (der lange zur Salwar Khamis gehörende Schal) als Turban um den Kopf wickele, statt sie mir umzuhängen. Ich habe auf ihn gehört und das war gut so!

Denn so blieben zumindest meine Haare unversehrt ; )

Fertig ausstaffiert mit meinem Bollywood-Holi-Outfit sind wir gemeinsam mit meinem Schwager + Familie zum Haus des anderen Schwagers gefahren, da sich dort wohl die gesamte Nachbarschaft im Garten des „Compounds“ traf, um zu feiern. Dort angekommen, begann ich allmählich zu verstehen, was denn das wirklich Straßenfest Holi abseits von Bollywood bedeutete und wieso meine Schwiegermutter zu sagen pflegte „I don’t like this festival, it’s a dirty festival. I don’t go out on that day!“

Überall standen Eimer gefüllt mit in Wasser aufgelöstem Farbpuder. Alle die dort herumliefen waren bereits so voll mit Farbe, dass es gar nicht mehr schön leuchtende Farben waren, sonder sich alles zu einer Art dunklem braun oder schwarz-lila vermischt hatte. Ups bei diesem Anblick schwammen sie dann dahin, meine schönen Bollywood Vorstellungen von schönen, bunten Farben…

Ehrlich gesagt wußte ich zunächst nicht so recht etwas mit mir anzufangen. Die Kleidung war mir zwar, wie Champ sagen würde „pips-pups-egal“, konnte ruhig dreckig werden, war ja dafür gedacht, aber ich hatte nicht unbedingt Lust, das Zeug im Gesicht und auf der Haut zu haben, denn mittlerweile hatte ich kapiert, es waren nicht alles „natürliche“ (oder Bio-) Farben…

Ich glaube Daddy Cool, der ja sowieso auch nicht der größte Fan dieses Festes ist, es aber weil ich unbedingt wollte, alles mitgemacht hat, ging es ähnlich. Und so standen wir zwar dabei, aber waren nicht so recht Teil des Ganzen. Bis auf einmal jemand einen Farbeimer von hinten über mich schüttete und mir auch von hinten die gefärbten Hände einmal durchs Gesicht rieb. Ging alles ziemlich schnell und ich wußte nicht, wie mir geschah. Ich glaube, ich stand da wie ein begoßener Pudel und wußte danach noch weniger mit mir anzufangen, vor allem, weil ich es unangenehm fand in einer nassen, an mir klebenden Salwar Khamis dort zu stehen.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube, wir sind dann nicht mehr sehr lange dort stehen geblieben, sondern haben uns irgendwie weitestgehend unversehrt, auf den Weg in die Wohnung meines Schwagers gemacht. Alle anderen sind noch geblieben und haben weiter gefeiert. Daddy Cool und ich haben ein Foto Shooting in der Wohnung gemacht mit dem umwerfenden Outfit, das wir nun hatten, und haben versucht „schnell“ zu duschen, bevor alle anderen kommen würden.

Schnell war da aber nichts zu machen, denn die Farben gingen kaum ab. Ich habe mit Seife ohne Ende und einer Bürste an meiner Haut geschrubbt und geschrubbt, um es einigermaßen abzukriegen.

Erst hinterher habe ich erfahren, dass am ersten Arbeitstag nach Holi meist immer noch viele Leute irgendwo Farbreste haben, weil das Zeug so schlecht abgeht.

Da war ich nur froh, dass ich den Turban anhatte und meine Haare somit „ungefärbt“ waren ; )

Irgendwie haben wir es aber doch geschafft, bevor alle in der Wohnung erschienen. Die Klamotten samt Turban habe ich im Müll entsorgt. Zum Glück hatte ich mir etwas anderes zum Anziehen mitgebracht und zum Glück hatte ich auch alte Handtücher, Duschgel und Schampo dabei.

Und dann kam der beste Teil von Holi, das Essen ; ) Traditionell gibt’s zu Holi meist Kabul Chana (weiße Kichererbsen mit einer Sauce aus Tomaten und Zwiebeln und sämtlichen Gewürzen) und Puri (eine Art Fladenbrote, die beim Braten aufgehen wie ein Ball) und all das liebe ich. Also habe ich nach der ganzen Duscherei erst einmal „ordentlich“ gegessen ; )

Der Rest des Tages war ein wirklich nettes Beisammensitzen in der Wohnung und auf der Terrasse. Außer uns beiden und den beiden Brüdern von Daddy Cool + Frauen und Kinder waren auch noch einige von deren Freunden, Nachbarn, sowie Cousins meiner Schwägerin dort.

Kennt Ihr auch Holi, habt Ihr es vielleicht schon einmal in Indien miterlebt? Wie war es bei Euch??

In diesem Sinne Happy Holi an alle – auf dass der Frühling nun Einzug hält und nicht mehr länger auf sich warten läßt!!!

Eure,