Langeweile

Eigentlich wollte ich heute ja über das Stillen schreiben, denn seit dem Telefonat mit meiner Freundin habe ich da immer wieder drüber nachgedacht und hatte ein paar Dinge dazu im Kopf, die ich gerne aufschreiben wollte.

Aber nun schreibe ich über Langeweile, weil mir diese heute wieder einmal begegnet ist. Nicht, dass ich selber Langeweile gehabt hätte. Nein sie bricht regelmäßig bei Champ und/oder Princess schonmal aus und das ist dann für mich immer A L L E  S andere als langweilig.

Und so muss nun der Post zum Stillen ein bißchen warten ; )

Zurück zur Langeweile. Oft sieht sie so aus:

oder so:

oder so:

Diese Bilder sind für mich, wie Langeweile sich anfühlt und ehrlich gesagt würde ich ja am liebsten  weglaufen, wenn sie sich anbahnt oder ausbricht.

Ich habe sie ja studiert diese Langeweile. Sie hat  verschiedene Gesichter und scheint auch bei jedem Kind unterschiedlich „zuzuschlagen“: Champ reagiert erst genervt, stellt immer wieder die gleiche Frage (was er denn nun machen kann), dann fängt er an kopfüber irgendwo herumzuhängen und dann – sozusagen die Klimax (=die Belohnung für mich, dass ich nicht gleich die richtige Antwort gegeben hab‘ und eine ideale Superbeschäftigung zur Hand hatte) – kommt das M I S T machen.

Bei Princess ist es etwas anders: Sie ist genervt und wird dann recht schnell wütend, weil nichts mehr geht bei ihr. Dann kippt sie den Puppenwagen um, fegt alle Bücher, die auf dem Tisch liegen runter, oder kippt mal eben den Becher mit den Murmeln auf den Küchenfußboden. Im Anschluß können dann zwei Sachen passieren: Entweder sie schreit danach „Warme Milch, Mama“ oder sie geht in ihr Zimmer und macht die Tür hinter sich zu (und da will sie dann auch nicht gestört werden = kreative Auszeit sozusagen).

Bei Princess ist es dann meist so, dass, wenn sie in Ruhe gelassen wird und entweder ihre Milch und ein Sofa oder aber das Alleinsein in ihrem Zimmer hatte, schnell wieder gute Laue herrscht. Dann findet man sie nach dem Milch trinken mit einem Buch auf dem Sofa und sie erzählt einem etwas zu den Bildern im Buch. Oder, wenn sie sich in ihr Zimmer verzogen hatte, ist auf einmal in ihrem Zimmer das Puppenhaus anders eingerichtet und sie liegt am Boden und die „Puppies“ werden am Tisch gefüttert.

Bei Champ ist die Sache etwas komplizierter. Es kann auch bei ihm durchaus passieren, dass er sich irgendwann in sein Zimmer verzieht und sich an seinen Schreibtisch setzt. Dabei kommen dann immer so wunderbare Kunstwerke, wie diese heraus:

Das ist sozusagen der positive Verlauf der Langeweile. Denn die Kinder finden aus der Langeweile in die Kreativität und Phantasie – für mich der ideale Fall, der Wunschfall, der ich-liebe-es-Fall.

Wenn aber der negative Fall eintritt und Champ mit seinem albernen Mist anfängt und Princess dabei natürlich immer mitzieht, fühle ich mich nach kurzer Zeit als hätte ich eine Frisur und Haarfarbe, wie March Simpson.

Das sind dann die Momente am Mama-sein, die ich überhaupt nicht mag, die aber auch dazu gehören – kann man ja leider nicht vorher aussuchen und programmieren ; )

Und deswegen leuten in meinem Kopf bei dem Wort Langeweile oder dem Satz „Mama, ich hab‘ Langeweile“ alle Alarmglocken“. Ich mag sie nicht diese Langeweile zum einen wegen dieser Folgen. Zum anderen weil ich selber sie nicht kenne die Langeweile. Für mich gibt es das nichts tun (das habe ich zwar nicht sehr oft), aber das ist für mich nicht schlimm, ich kann es „aushalten“. Und wenn ich es nicht will, das Nichts tun, wenn es sich für mich nicht gut anfühlt, dann finde ich immer eine Beschäftigung. Ich meine, das ist als Mama ja nun nicht schwer, eine Beschäftigung zu finden, da gibt es ja wohl genug. Aber diese Art von Beschäftigung meine ich jetzt gar nicht. Ich meine selbstgewählte Sache, eine Zusatzbeschäftigung, etwas wenn alle Pflichtpunkte fertig oder abgehandelt sind. Wenn ich diese Zusatzzeit habe, dann weiß ich immer, aber wirklich immer, was ich damit mache: Ich schreibe, ich lese, ich male, ich dekoriere und, und, und. Ich freue mich über diese Zeit.

Also: Entweder tue ich bewußt nichts oder ich suche mir eine Beschäftigung, in beiden Fällen habe ich KEINE Langeweile.

Und deswegen kann es mich wirklich wütend machen, wenn die Langeweile wieder einmal zuschlägt.  Es ist wie eine Art Ausnahmezustand, in dem man manches Mal das Gefühl hat, kaum mehr Herr der Lage zu werden.

Und trotzdem möchte ich nicht bei jedem Satz „Mama, ich hab Langeweile“ springen und schnell ein neues Ausmalbild präsentieren, eine Maus DVD einschalten, eine neue Spielidee haben, so dass die Langeweile gleich im Keim erstickt wird und nicht aufkommen kann.

Das wäre zwar vielleicht einfacher, aber ich kann doch auch nicht immer auf Abruf stehen und alles andere stehen und liegen lassen. Und sie sollten doch auch lernen Langeweile auszuhalten, damit umzugehen, etwas daraus zu machen.

Wenn bloß der Weg dahin nicht so verdammt steil und schwer wäre!

An manchen Tagen denke ich ja, ich verzweifle an der Langeweile meiner Kinder. Und dann gibt es wieder Tage, da freue ich mich riesig, über das, was am Ende dabei herausgekommen ist.

 

Und wie sieht es bei Euch mit der Langeweile aus, wie geht Ihr damit um? Lasst Ihr sie zu oder unterbindet Ihr sie?

Eure,