Die Sorge um Babys Gewicht


Ich kenne Sie gut, die Sorge um Babys Gewicht, ziemlich gut. Champ wurde mit einem Gewicht von 2640 Gramm geboren und Princess mit etwa 2900 Gramm. Beide Kinder haben zu Anfang einiges an Gewicht verloren.

Bei Champ war alles wirklich kompliziert, er war sehr „trinkfaul“; ich habe ihm in den ersten Tagen oft Wasser (damit er ausreichend Flüssigkeit bekam) mit einer Spritze langsam ins Mündchen geträufelt. Der Anfang beim Stillen war etwas holperig, Champ schlief immer wieder ein und hat nicht viel getrunken. Nachdem er abgenommen hatte ging sein Gewicht nur sehr langsam wieder rauf. Als er dann irgendwann die Kurve gekriegt hatte, ging das Stillen aber sehr gut. Champ nahm langsam zu. Er war immer und ist bis heute sehr zierlich. Zum Glück hat mich aber weder seine Hebamme, noch der Kinderarzt deswegen unter Druck gesetzt. Obwohl ich den Satz „aber das Gewicht müssen sie im Auge behalten“ immer wieder gehört habe.

Bei Princess war alles ein wenig anders. Der Anfang beim Stillen war auch bei ihr holperig. Sie ist zwar nicht immer wieder eingeschlafen, aber getrunken hat sie auch nicht richtig. Es klappte aber irgendwann so einigermaßen jedenfalls und auch sie nahm zu. Bis auf einmal, ich glaube, da war Princess zwischen 4-8 Wochen alt, da stagnierte ihr Gewicht. Sie nahm nicht mehr zu, sie nahm sogar ein wenig ab. Das Trinken wurde zusehends unentspannter. Ich wurde mit jedem Besuch der Hebamme und jeder Gewichtskontrolle nervöser und war mehr und mehr verunsichert.

Schließlich kam der Tag, an dem die Hebamme mir ein Still-und Gewichtsprotokoll übergab und mich bat, mir in der Apotheke eine Babywaage auszuleihen. Ich sollte Princess vor und nach jedem Stillen wiegen und alles notieren.

Nachdem die Hebamme gegangen war, Princess wieder schlief und ich Champ mit einem Hörspiel in seinem Zimmer beschäftigt hatte, saß ich alleine auf dem Sofa (denn in dieser Zeit war alles beruflich ziemlich stressig für Daddy Cool und er war nicht viel zuhause. Insofern war ich mit dieser Sorge und allen anderen auch meist ziemlich alleine. Was allerdings rückblickend betrachtet vielleicht gar nicht so schlecht war, denn so sind wir nie dazu gekommen, uns gegenseitig verrückt zu machen und in der Sorge hoch zu schaukeln) Ich sass da, habe auf das Protokoll geschaut und gedacht „nein, das kann ich nicht, das macht mich verrückt und damit mache dann ich Princess verrückt.

Ich habe eine Glas Wasser getrunken und gehofft, dass mir eine Idee kommt. Die Gedanken sausten wild in meinem Kopf herum, hatte die Hebamme nicht gerade eben auch noch von einer Familie erzählt, wo das das Baby nun im Krankenhaus war, weil es nicht zunahm und die Eltern große Angst hatten.

Schließlich kam ich zu dem Entschluss, dass das einzige, was mich weiterbringen und ruhiger machen würde, mein Bauchgefühl sein könnte. Und das sagte mir nun mal, dass alles nicht so schlimm sei, es sagte mir, dass Princess mit Stillen nicht richtig satt wurde, es sagte mir, dass mit Princess alles in Ordnung sei.

An diesem Nachmittag habe ich Pre-Nahrung besorgt und ab dann bekam Princess alle 3-4 Stunden eine kleine Flasche und wurde im Anschluss daran zusätzlich gestillt.

Seither ging ihr Gewicht stetig rauf, sie war ausgeglichener und ich auch.

An all diese Momente musste ich denken, als ich gestern mit meiner Freundin telefoniert habe. Denn auch meine Freundin ist gerade in dieser Situation und hat diese Sorge.

Ich möchte ihr so gerne helfen, sie so gerne beruhigen, aber jede Situation ist anders und jeder fühlt sie anders. Worte können ziemlich hohl und abgedroschen klingen, wenn die Sorge um das Baby an einem nagt.

Das Schlimmste an allem ist die Verunsicherung, man weiß nie, was man denken soll. Die Hebamme sagt das, der Arzt sagt jenes, oder um gekehrt, einer ist immer dabei, der einen verrückt macht. Und das führt letztlich dazu, dass man selber nicht im Gleichgewicht ist. Die Gewichtskurven verunsichern: Das Baby muss in Normgrößen und -maße passen, es muss bestimmte Trinkmengen erreichen, es muss regelmäßig und gleichmäßig trinken, es muss gewogen werden…. Aber woher kommt denn dieses MUSS, wer gibt denn die Normgrößen vor, lässt sich ein Baby denn überhaupt normen?

Sollte man nicht vielmehr die Eltern darin bestärken, auf sich und ihr Bauchgefühl zu hören und alles, wenn es dem Baby gut geht, es mobil ist, kein Fieber und keine Infekte durchmacht, als eine Phase zu nehmen und akzeptieren. Denn wenn es den Eltern gutgeht und sie im Gleichgewicht sind, ihre eigene Balance haben, dann ist das Baby automatisch auch entspannter, weil es die Sorge, die Anspannung doch fühlt.

Natürlich sollte man nie ein Risiko eingehen und alle Zweifel immer mit dem Kinderarzt klären. So war für mich/uns auch von Anfang an klar, dass wir unsere Kinder impfen lassen. Denn auch wenn es hierzu geteilte Meinungen gibt, war es für uns ein eindeutiges Ja zur Impfung.

Aber man sollte sich auch nicht verrückt machen lassen, sondern seinem Bauchgefühl vertrauen.

Als ich einmal unseren Kinderarzt bei einer regulären Untersuchung nach etwas fragen wollte (ich weiss ehrlich gesagt schon gar nicht mehr genau, was es war und worum es ging) und meinen Satz begann mit „meine Hebamme hat gesagt…“, da unterbrach mich Princess Kinderarzt und sagte „das möchte ich jetzt gar nicht  hören, was die Hebamme gesagt hat“ und beruhigte mich, dass alles in Ordnung sei.

In dem Moment habe ich begriffen, dass nicht nur Gynäkologen und Hebammen nicht immer nur und in allem an einem Strang ziehen, sondern Kinderärzte und Hebammen ebenso wenig.

Das macht es für Mamas nicht gerade leichter, denn wem vertraut man, wem nicht, wer hat Recht, wer nicht.

Ich glaube es gibt kein richtig oder falsch, kein Recht oder Unrecht haben in diesem Fall, jeder sieht es aus seiner Perspektive. Und als Eltern muss man dann fühlen, welche Perspektive zu einem paßt, womit man sich sicher fühlt und womit man selber im Gleichgewicht ist.

Meine Erfahrung ist die, dass es meinen Kindern immer dann besser ging und sie ruhiger waren und sind, wenn ich selber für mich einen festen Entschluss gefasst habe und dahinter stehe und damit und dadurch ruhiger bin. Dann geht alles besser, denn die Anspannung ist weg.

So war, als Champ 4 war, sein Gewicht bei der Untersuchung zu niedrig, er lag sogar außerhalb seiner eigenen Entwicklungskurve. Der Kinderarzt hat mir dann gesagt, wir würden alles in drei Monaten noch einmal kontrollieren und sagte aber gleichzeitig „nicht immer wider zwischendurch wiegen, denn das ist der sichere Weg in den Wahnsinn“.

Ich habe nicht gewogen, Champ war gesund, hatte keine Infekte, wir haben beide die Gewichtskurve vergessen und nach drei Monaten war alles ok!

Und damit möchte ich schließen, denn Zeit und Ruhe ist der Schlüssel, der bei Kindern Vieles von alleine regelt.

Kennt Ihr diese Sorge auch? Wie geht Ihr mit der Verunsicherung um?

Eure,