Up to date

 

Bin ich eigentlich up to date?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung!

Wenn ich mich in den Blogs, die ich lese umschaue, stelle ich fest: Die meisten haben um 2011/2012 begonnen zu bloggen.

Insofern bin ich nicht up to date, sondern ziemlich spät dran…

Zu der Zeit, zu der die meisten starteten, war unser Sohn ein Jahr alt, wir hatten gerade ein für Daddy Cool beruflich extrem schwieriges Jahr hinter uns, waren nach 9, bzw. 11 Jahren in den V.A.E. nach Deutschland gezogen, hatten endlich eine Wohnung gefunden und konnten nun als Familie zusammenleben. Es war ein Neu-Anfang für uns und alles war anders, anders als erwartet, anders als erhofft, anders als geplant.

Nach etwa einem Jahr im Mehr-Generationenhaushalt, waren wir nun das erste Mal als Familie zusammen, wir drei. Ich musste erst einmal wieder lernen, meinen eigenen Haushalt zu führen, und das nun auf einmal als Mama mit Kind, in einem nach 9 Jahren mir anders erscheinenden Land, in einer Kleinstadt.

Ich kam aus einer Metropole am Persischen Golf.

Ich kam aus einem Land, in dem es keine Einkommenssteuer und Sozialabgaben gibt.

Ich kam aus einem aus einem “Luxusleben zwischen 5 Sterne Hotels”.

Ich kam aus einem “Immer-Sommer-Land”.

Ich kam aus einem “Multikultiland” und doch aus einem islamischen Land.

Ich kam aus einem Land mit Shariah Gericht und völlig anderer Bürokratie.

Dieser Wechsel und alles was drum herum außerdem noch passierte, hat mich, glaube ich, ziemlich beeinflusst.

Ich brauchte Zeit, Zeit mich zurechtzufinden, in meinem eigenen Land, in meinem Leben und vor allem in meiner Rolle als Mama.

Ich musste ankommen.

upto2

Die Frage nach “up to date” habe ich mir damals nie gestellt. Ich musste erst einmal für mich ordnen “welche Welt ist wie und wie funktioniert sie”?

Ich musste meine Welt “ordnen”.

upto3

upto4

Wenn ich jetzt zurückblicke glaube ich trotz allem nicht, dass ich den Zeitgeist nicht erkannt habe oder daran “vorbei gelebt” habe.

Vielleicht hat mir gerade dieser Wechsel vieles bewusstwerden lassen, mich gezwungen schnell zu reagieren und zu lernen, meinen Weg zu finden.

Hätte ich diesen Wechsel nicht gehabt, wären wir einfach am Persischen Golf geblieben, wäre ich eine andere Mama, als die, die ich heute bin (und wahrscheinlich wären sogar auch meine Kinder anders).

Umgekehrt gesehen, wäre ich nie aus Deutschland weggegangen, wäre ich auch heute nicht die Mama, die ich bin (und meine Kinder wären auch nicht so wie sie jetzt sind).

Ich möchte aber die sein, die ich bin. Klar, es gibt vieles an dem ich in mir arbeiten möchte, oft zweifle ich an mir, oft habe ich ein schlechtes Gewissen…aber das geht sicherlich jeder Mama so.

Aber auch wenn die Erfahrungen manches Mal hart waren und der Weg schwer, ich möchte nichts davon missen. Denn es hat mich zu dem Menschen und der Mama gemacht, die ich nun bin. Ich habe vieles gelernt, durfte vieles erkennen und mir ist vieles bewußtgeworden.

Ich möchte, dass meine Kinder von meinen Erfahrungen lernen und profitieren.

Ich glaube, dass auf diesem Weg, dem Weg mit Kindern, der Zeitgeist, das up to date  eine wichtige Rolle spielt und man achtsam sein muss.

Up to date bedeutet für mich hier nun NICHT:

  • das Kind sollte unbedingt alle Spielsachen haben, die gerade “in” sind, die jeder hat
  • das Kind sollte unbedingt die Kleidung tragen, die gerade “in” ist, die Marken, die eben jeder, der was ist, hat.
  • das Kind sollte funktionieren wie alle anderen Kinder
  • das Kind sollte alles das können, was andere eben in dem Alter können
  • das Kind sollte essen, was gerade im Trend liegt.
  • Das Kind sollte die Hobbies haben, die gerade cool sind

Nein, nichts von all dem.

Für mich bedeutet up to date sein, ein Gefühl für den Zeitgeist zu haben. Ein Gespür für das Leben, das Leben in einem Land und ich glaube, dass dieses Gespür wichtig ist, um sich sicher und geborgen zu fühlen.

Und ich denke, dass Geborgenheit das größte Geschenk für unsere Kinder ist. In der ersten Zeit nach dem Wechsel aus der arabischen Welt zurück nach Deutschland, konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, einen weiteren Wechsel mitzumachen. Mit Kindern wollte ich nicht noch einmal neu anfangen. Ich hatte Angst, die Kinder könnten es nicht verkraften, sie würden entwurzelt, sie werden durch Veränderungen belastet. Ich glaube, ich hatte einfach Angst, sie könnten sich durch einen Umzug (in vielleicht sogar ein völlig anderes Land) nicht mehr sicher und geborgen fühlen.

Dann ist mir bewußtgeworden, es ist nicht die Stadt, das Land, die Umgebung an sich, die Geborgenheit geben. Es ist die Familie.

Nun bin ich zwar “spät dran”, aber ich habe mein “Zeitgeist-Gespür”. Insofern bin ich vielleicht doch up to date?

Wie seht Ihr den Zeitgeist, seid Ihr / fühlt Ihr Euch “up to date”?

 

Eure,

kate