Labels überall…- mich selber sehen, nicht mein Label…

Vor ein paar Tagen hatte ich mit Daddy Cool eine „Diskussion“ – nein, Gespräch ; ) – über Labels. Labels, die wir alle aufgedrückt bekommen von der Gesellschaft, die dann an uns haften und die „gesehen“ werden. Die Gesellschaft sieht uns durch die Labels.

Seitdem denke ich über diese ganze „Labels-Sache“ nach…

Es gibt viele solcher Labels, es gibt welche für den Status, wie z.B. „Single“, „verheiratet“, „alleinerziehend“, „working Mom“, „berufstätig“, „Patchwork“ (das nannte man früher wohl „mein-dein-unser“), „geschieden“. Und es gibt solche, die den Charakter, das Wesen und die Einstellung, oder auch den Erziehungsstil definieren wollen: „konsequent/inkonsequent“, „stark/schwach“, „zurückhaltend, schüchtern, introvertiert“, „extrovertiert, gesellig, aufbrausend“, „öko, bio, alternativ“, „trendy, schick, modebewußt“.

Oft kommt es mir so vor, dass ich diese Labels förmlich fühlen kann, bei mir selber, aber auch bei anderen. Sie sind immer da und wenn man sie vergessen oder gar ignorieren möchte, werden sie einem immer wieder vor Augen geführt, man wird immer wieder daran erinnert. Es gibt im Alltag so viele Situationen, beim Einkaufen, in der Bahn, im Bus, beim Arzt, in der Bank, im Rathaus, wo sie auftauchen die Labels in den Gedanken.

Mir ist aufgefallen, dass ich selber vermutlich schon verschiedene Labels durchlaufen habe. So hatte ich sicherlich nach der Ausbildung, als ich alleine in die Vereinigten Arabischen Emirate ging und dort meinen ersten Job hatte, das Label „Single“ und „jung und unerfahren“.

Dann war ich auf einmal nicht mehr „Single“, sondern „engaged“/ „in einer Beziehung“. Aber vermutlich war das Label „jung und unerfahren“ immer noch da.

Schließlich wechselte mein Label von „engaged“ zu „married /verheiratet“. Aber – zumindest schien mir dies in der arabischen Gesellschaft in der ich damals lebte so – das Label „jung und unerfahren“ verschwand allmählich. Die Labels „berufstätig“, „ohne Kinder“ hatte ich immer noch.

Nach einiger Zeit kam zum „married“-Label auch das „Mama / Mommy“-Label, denn unser Sohn wurde geboren. Und mit diesem großen, neuen Label, das ich gewonnen hatte, habe ich gleichzeitig ein anderes bislang verloren. Mir ist das „berufstätig“-Label abhanden gekommen.

Ich wurde Mama und gleichzeitig sind wir von den Emiraten nach Deutschland gezogen, und somit hatte ich keinen Arbeitgeber, zu dem ich nach meiner Elternzeit hätte zurückkehren können.

Der Verlust dieses Labels hat oft (und tut es immer noch) an mir genagt. Ich habe in der Elternzeit studiert, um bessere Chancen zu haben und wieder einsteigen zu können. Es hat nicht funktioniert und so haben wir gemeinsam einen Entschluss getroffen und damit änderte sich mein Label noch einmal. Unsere Tochter wurde geboren und nun hatte ich das Label „Mama von zwei / Mom of two“.

Jetzt da unsere kleine Maus nun schon 2,5 Jahre alt ist, möchte ich so gerne wieder selber arbeiten, aber eben nur halbtags, weil ich trotz allem das Mama-sein als meine größte, liebste und wertvollste Aufgabe sehe. Eine solche Teilzeitbeschäftigung zu finden ist schwer und so hangle ich mich von Nebenjob zu Nebenjob, um meine Zeit selber planen zu können und für meine Kinder und für uns als Familie flexibel zu sein.

Oft habe ich das Gefühl, der Verlust des Labels „berufstätig“ belastet einen mit einem großen Manko, man ist abgestempelt, bei Seite gestellt, hat keine Ahnung. Es nagt so sehr an mir, dass ich nicht gleichermaßen zum Familienbudget beitrage, es gibt mir das Gefühl nichts geleistet zu haben. Und dabei ist es doch so viel, was eine Mama leistet. Ich bin Allround-Manager: Haushalt, Wäsche, Kochen, Krankenschwester, Erziehung, Organisation & Koordination, Banking, Versicherungen, Terminplaner, Shopping (Lebensmittel etc), Abhol-und Bring-Service, Zuhörer, Künstler, Hausaufgaben, Show.Master, Tröster, Home-maker, Sekretärin, Kuschel-Anlaufstelle und so viel mehr. Erst wenn ich mir diese Liste vor Augen führe, glaube ich es, ich habe ja doch etwas geleistet und ohne mich würde es auch nicht gehen. Denn auch wenn die Gesellschaft das oft nicht sieht und vor allem nicht anerkennt: Eine Mama leistet viel, körperlich, emotional und intellektuell und ohne all die Mamas und deren Leistung würde die Gesellschaft ja gar nicht funktionieren.

Obwohl ich weiß, dass es viel einfacher wäre, eine Vollzeitstelle zu finden, möchte ich es nicht. Ich möchte Mama bleiben und auch für meine Kinder da sein und das geht nur, wenn ich entweder von zuhause oder in Teilzeit arbeite. Ich bin und bleibe Mama.

Aber was bin ich außerdem noch? Was sind nur Labels und was bin wirklich ich, ich selber, einfach nur ich?

Ich bin nicht nur Mama, ich bin außerdem auch noch Kate, Kate aus Aachen, Kate, die in Abu Dhabi gelebt hat. Ich lese, schreibe, male und bastle gerne. Ich liebe Farben und das Meer. Das Rauschen des Wassers beruhigt mich. Ich habe einen Fabel für philosophisches. Ich bin nostalgisch, sentimental und emotional. Ich bin eher introvertiert. Ich liebe Kinderbücher und die Kuscheltücher meiner Kinder (die riechen so gut). Meine Freunde verteilen sich über viele, verschiedene Länder. Mein Mann ist aus Indien, ich spreche 4 Sprachen und verstehe zwei weitere ein wenig. Ich koche gerne und ich liebe Daddy Cools Kochkünste. Ich liebe italienische und persische Küche. Ich bin katholisch und stehe dazu. Ich trinke keinen Kaffe, ich bin Milchtrinker. Ich liebe Tomaten und Paprika. Ich trage immer ein kleines, weißes Taschentuch bei mir, das mir einmal eine alte Frau geschenkt hat, genauso, wie den Hausschlüssel meiner Eltern bei mir. Ich bewahre alle Briefe und Karten, die mein Mann für mich geschrieben hat, in einer Holzbox auf, die auf meinem Nachttisch steht. Eine Spange, die mir meine Oma als Kind geschenkt hat, habe und trage ich immer noch. Die Priester-Stola meines verstorbenen Onkels hat bei mir einen ganz besondern Platz. Ich bin kein Vegetarier, aber es macht mir nichts aus, auf Fleisch zu verzichten. Ich liebe reisen, brauche aber auch ein zuhause mit meinen Sachen. Ich möchte mir gerne selber Kalligraphie/Handlettering beibringen und ich würde gerne Klavier spielen können. Ich liebe Mode. Ich habe meinen eigenen Kopf und ich bin extrem anpassungsfähig.

Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber ich denke, es reicht….ich selber und Ihr könnt sehen, es sind nicht die Labels, die mich, die uns ausmachen, es ist so vieles mehr. Und ich möchte mich und meinen „Wert“ nicht länger über Labels definieren.

 

In diesem Sinne: Ein Hoch auf das Mama-sein! Ich liebe meine Aufgabe und ich liebe meine Kinder.

Eure,


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