Die Schöpfung der Erzieherin

Hier ein weiterer Text, den ich gerne mit Euch teilen möchte, weil ich ihn sehr schön fand. Ich weiss leider nicht, wer der/die Autor/in ist.

Gefunden habe ich auch diesen Text zufällig in Princess Kindergarten. Auch dieser Text hing eingerahmt vor ihrer Gruppe. Auch dieser Text ist mir, da er nicht auf Augenhöhe hängt, bisher nicht aufgefallen.

Aber letzten Donnerstag, da ist er mir aufgefallen, ich habe ihn gelesen und gleich danach Princess nette Erzieherin gefragt, ob ich denn davon wohl einen Ausdruck bekommen könnte und dieser hing freundlicherweise gestern an Princess Klammer : )

Da ich, als ich den Text gelesen habe, an meine in diesem Jahr leider plötzlich verstorbene Freundin und Kollegin, Csenge Bosse, denken mußte, möchte ich diesen Post Csenge widmen in Erinnerung an ihre unendliche Energie, ihre Kreativität, ihre Ideen, ihre Liebe für das Vorlesen und vor allem ihre Liebe für Kinder.

Dear Csenge, wherever you are now, this post I am dedicating to you: When I saw the text, I instantly thought of you and all the things we did together with the kids. Unfortunately the text is in German but I guess you would have gotten it anyways, right; ) I miss you badly. Hope that wherever you are, you found your peace! This text in memory of you:

Als der liebe Gott die Erzieherin schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien ein Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur!“ Der liebe Gott sprach: „Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen? Sie soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein; sie soll 160 bewegliche Teile haben: sie soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Schoß, auf dem 10 Kinder gleichzeitig sitzen können. Und trotzdem muss sie  auf einem Kinderstuhl Platz haben. Sie soll einen Rücken haben, auf dem sich alles abladen läßt; sie soll in einer überwiegend gebückten Haltung leben können. Ihr Zuspruch soll alles heilen, von der Beule bis zum Seelenschmerz; und sie soll 6 paar Hände haben.“

Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: „Sechs paar Hände, das wird kaum gehen!“ „Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen.“ sagte der liebe Gott. „Aber die 3 paar Augen, die eine Erzieherin haben muss!“ „Gehören die denn zum Standardmodell?“ fragte der Engel. Der liebe Gott nickte: „Ein paar das durch geschlossene Räume blickt während sie fragt: was macht ihr denn da drüben? – obwohl sie es längst weiß. Ein zweites paar im Hinterkopf, mit dem sie sieht, was sie nicht sehen soll. Aber wissen muss. Und natürlich noch zwei Augen hier vorn, aus denen sie ein Kind ansehen kann unmöglich benimmt ud die Trotzdem sagen: Ich verstehe dich und habe dich sehr lieb. – Ohne das sie ein einziges Wort spricht.“

„Oh Herr“, sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel, „geht schlafen und macht morgen weiter.“ „Ich kann nicht“, sagte der liebe Gott „denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt.“

Ich habe bereits geschafft: Das sie sich selbst heilt, wenn sie krank ist, dass sie 20 Kinder mit einem winzigen Geburtstagskuchen zufrieden stellt, dass sie einen Sechsjährigen dazu bringen kann, sich vor dem Essen die Hände zu waschen, einen Dreijährigen davon überzeugt, dass Knete nicht essbar ist und übermitteln kann, dass Füße überwiegend zum Laufen und nicht zum Treten von mir gedacht waren.“

Der Engel ging langsam um das Modell der Erzieherin herum. „Zu weich“, seufzte er, „Aber zäh“, sagte der liebe Gott energisch. „Du glaubst gar nicht, was diese Erzieherin alles leisten und aushalten kann!“ „kann sie denken?“ „Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen“, sagte der liebe Gott. „und vergessen!“ Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. „Da ist ein Leck“, sagte er. „Ich habe Euch ja gesagt, Ihr versucht zuviel in das Modell hineinzupacken.“ „Das ist kein Leck“, sagte der liebe Gott. „das ist eine Träne.“ „Wofür ist sie?“ „Sie fließt bei Freude, Trauer, Endtäuschung, Schmerz und Verlassenheit.“ „Ihr seid ein Genie!“ sagte der Engel. Da blickte der liebe Gott versonnen: „Die Träne“ sagte er „ist das Überlauf-Ventil“.

Eure,

 

 


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