Wie war das noch mit der selbstbestimmten Geburt?

Vor Kurzem sprach ich mit meiner Freundin, die gerade ein Baby bekommen hatte. Sie hatte im Krankenhaus entbunden und wegen der besonderen Lage des Kindes wurde schliesslich unter der Geburt für einen Kaiserschnitt entschieden.

Während unseres Telefonat meinte meine Freundin plötzlich zu mir: „Sag mal, hast du auch schonmal gehört, dass Ärzte und Hebammen sich nicht immer so ganz grün sind bei der Geburt?“, denn das hatte sie erlebt.

„Ja“, habe ich geantwortet, „und zwar nicht nur gehört, sondern auch erlebt.“

Denn Princess Geburt ist für mich bis heute immer noch eine Art Mysterium:

Princess wurde in der Klinik geboren. Das war auch so geplant und gewollt. Also auch selbstbestimmt, auch wenn ich nicht mit ihr und mir alleine irgendwo war und alles selber bewältigt hätte. Sondern es war mein Wille. Ich hatte es mir so gewünscht, weil ich es mir nicht anders vorstellen konnte und weil auch Champ schon in einer Klinik geboren wurde. Allerdings war bei Champ alles anders: Es war eine kleine Klinik und wir waren an jenem Tag die einzige Geburt, wir hatten unsere Belegshebamme zur Seite; es war eine schöne und gute Erfahrung. Ich hatte mich geborgen und gut aufgehoben gefühlt. Und obwohl die Ärztin, die Hebamme und zwischendurch ein Anästhesist dabei waren, war es selbstbestimmt, weil es das war, was ich für mich wollte.

Und deswegen wollte ich bei das Gleiche.

Ich hatte allerdings schon in der Schwangerschaft erfahren, dass die Klinik hier meist recht voll ist und immer mehrere Geburten parallel laufen, dass es kein Belegshebammensystem gab, sondern nur hauseigene Hebammen und dass alles recht unpersönlich ist. Mit geringen oder gar keinen Erwartungen, mir dessen bewußt, dass wir uns am besten soweit es geht selber werden helfen müssen, ging ich in die Klinik, als Princess Geburt sich ankündigte.

Als ich aufgenommen wurde, war der Muttermund ca 4 cm geöffnet und die Hebamme antwortete mir auf meine Frage, ob ich besser noch einmal nach hause gehen solle, mit „Nein, das würde ich nicht tun!“

Also blieb ich und Daddy Cool kam aus dem Büro zu mir und ich war total glücklich und erleichtert, als er ankam.

Ab dann ging alles recht schnell und am Ende sogar rasant schnell.

Es stellte sich mir eine andere Hebamme als nun „meine Hebamme“ vor. Sie nahm einen Einlauf vor, der aber kaum irgendein Ergebnis hatte, außer, dass die Fruchtblase brach.

Von Anfang an hat sie mir gesagt, ich müsse einen Wehentropf bekommen, wieso weiß ich nicht. Denn es gab nie einen Wehenstillstand. Auf meine Frage, „muss das denn sein, ich glaube, das habe ich bei meiner ersten Geburt auch nicht gehabt“, sagte sie, „ja, muss sein, da führt kein Weg dran vorbei, wir brauchen mehr Druck von oben“

Da ich eine PDA wollte, hat die Hebamme schliesslich eingewilligt, die Anästhesie zu benachrichtigen, allerdings nicht ohne mich vorzubereiten, dass nicht sicher sei, ob jemand Zeit für mich habe.

Ich hatte Glück, die Anästhesie kam und sie schickte alle, inklusive Hebamme aus dem Raum! Sie hat sich vorgestellt und mir erst alles, was sie machen würde erklärt und hat meine Fragen beantwortet. Dann hat sie am Geburtsbett etwas umgestellt, so dass ich mich in genau der Position, die sie zum Setzen der Spritze brauchte, hinsetzen konnte.

Sobald die PDA gesetzt war, ging es mir besser und mein Wunsch wäre gewesen, den Dingen nun ihren Lauf zu lassen.

Dann kam meine Hebamme zurück und „mokierte“ sich darüber, dass das Bett verstellt sei. Auf meinen vorsichtigen Kommentar, dass ich aber nichts verstellt habe und alles ok sei, antwortete sie, „das kann ich mir denken, dass sie das nicht waren und ich weiss auch genau, wer das war. Es ist jedesmal das Gleiche.“ Und ich dachte nur „Oh mein Gott, fangen die jetzt gleich an, sich hier zu fetzten?“ Sie haben sich dann aber doch wieder eingekriegt.

Und dann bekam ich den Wehentropf, ohne dass ich es wollte, oder die Notwendigkeit hierfür verstand. Zwischen dem Legen des Tropfes und Princess tatsächlicher Geburt liegen knappe 40 Minuten.

Die Schmerzen der Wehen, die mit dem Wehentropf einsetzten, waren so stark, dass ich das Gefühl hatte, mich und meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

Ich habe die einzelnen Etappen der Geburt von Princess „verloren“, es gibt sie in meinem Kopf nicht, da ist nur der extreme Schmerz dieser 30-40 Minuten. Ich habe die Hebamme zwischendurch rufen hören: „los, sie wollen ihr Kind doch kriegen!“ und „hecheln sie, ihr Kind braucht Sauerstoff!“ Ich habe gedacht, ich schaffe es nicht. Ich lag irgendwie schräg auf dem Geburtsbett und habe mich an Daddy Cools Gürtelschlaufen festgehalten – eigentlich verwunderlich, dass die nicht gerissen sind, die mussten an diesem Tag ziemlich was aushalten!

Und dann war Princes da und ich durfte sie im Arm halten. Danach hat die Hebamme Princess genommen und sie mit Daddy Cool zusammen angezogen und eingewickelt.

Das habe ich noch gesehen, bevor es vor meinen Augen begann zu flackern.

Das nächstes, was ich weiß ist, dass die Hebamme an meinem Bauch herum gedrückt hat, um die Plazenta herauszubekommen. Aber es kam nichts außer immer wieder Blut.

Und dann war sie plötzlich wieder da die Anästhesistin und ich hörte die Hebamme sagen: „schnell, die verliert mir zu viel Blut!“ Und wieder schien die Atmosphäre zwischen zwischen Hebamme und Anästhesistin gespannt und leicht explosiv. Aber mehr Einzelheiten habe ich nicht mehr mitbekommen, da war schon die Maske auf meiner Nase und ich war weg.

Als ich aufwachte, sah ich aus den Augenwinkeln Daddy Cool neben mir sitzen, ich hörte leichte und kleine Schmatzmeräuche und mir fiel auf, dass ich meine Handgelenke bewegen konnte.

Für den Rest brauchte ich ein paar Sekunden, um realisieren, was alles passiert war.

Rückblickend betrachtet habe ich nun das Gefühl, dass die Geburt von Princess zwar selbstbestimmt im Krankenhaus stattfand, dass ich letztlich aber nicht selbst bestimmen durfte über den Verlauf der Geburt und dieses Gefühl wurmt mich noch heute. Ich weiss, dass an dem Abend, bzw. in der Nacht, als Princess geboren wurde, außer ihr 10 weitere Kinder geboren wurden. So war sicherlich alles eine Platz- und Personalfrage, was ich in gewissem Maße auch verstehen kann. Trotzdem war es für mich persönlich eine recht extreme Erfahrung. Und ich habe oft das Gefühl, dass wenn ich „meine Zeit“ gehabt hätte, die Plazenta auch ganz normal und von alleine gekommen wäre.

Letztlich muss ich trotzdem sagen, dass ich froh und dankbar war, dass mir geholfen wurde, dass Ärzte und Hebammen vor Ort waren und ich eben nicht ganz alleine war. Insofern finde ich den Begriff „selbstbestimmte Geburt immer etwas schwierig zu definieren und zu verstehen. Und ich habe allen Respekt vor Frauen, die eine Geburt ganz alleine bewältigen, obwohl ich mich ein ganz kleines bisschen bei solchen Berichten immer frage, „geht das denn wirklich so?“.

 

Wie waren Eure Geburtserfahrungen?

Eure,