Über das Stillen….

Es ist nun schon eine Weile, dass ich über das Stillen schreiben möchte, und immer wieder verschiebe ich es. Ich glaube, das ist so, weil ich es schwierig finde, darüber zu schreiben.

Schwierig deswegen, weil es dazu einige ziemlich starke Meinungen gibt und meine da vielleicht nicht so ganz hineinpasst.

Schwierig deswegen, weil schon so vieles darüber geschrieben wurde – es gibt hierzu schließlich ganze Ratgeber.

Schwierig ganz einfach deswegen, weil es für meine Begriffe „eigentlich“ nichts zu schreiben gibt, denn es ist ein ganz persönliches Thema, das jeder für sich entscheiden sollte.

Dennoch möchte ich es versuchen, darüber zu schreiben, weil ich mir in und mit manchem schwer getan habe, weil mich manches geärgert, irritiert und verunsichert hat und weil ich manches sehr verwunderlich fand.

Ich habe mir vor und während der Schwangerschaft keine großartigen Gedanken über das Stillen gemacht, sondern wollte es einfach einmal auf mich zukommen lassen. Das einzige, was ich entschieden habe war, dass ich es versuchen möchte und nicht auf das Stillen verzichten möchte. Alles andere, dachte ich, sollte dann so kommen, wie es wollte.

Was ich allerdings nicht bedacht hatte, waren die ganzen Meinungen, Ratschläge und Fragen, die von außen auf einen einströmen.

So konnte ich z.B. nicht viel damit anfangen, wenn mir jemand erzählte, sie habe schon in der Schwangerschaft durch Massage der Brustwarzen versucht, die Brust auf das Stillen vorzubereiten. Das war für mich befremdlich und ist es immer noch.

Kein Verständnis hatte ich auch für den Kommentar der Nachtschwester im Krankenhaus nach Princess Geburt, als Princess beim Anlegen immer mal wieder weinte und ich sie gestreichelt habe: „Das ist hier keine Kuschelzeit! Das Kind soll jetzt trinken und nicht abgelenkt werden!“

Genervt haben mich die „Immer-wieder-Anlegeversuche“ der Schwestern und der Stillberaterin im Krankenhaus mit Princess. Das hat mir nicht geholfen, sondern mich aus dem Konzept gebracht, ich wollte meine Ruhe haben.

Komisch, schon fast ein wenig lächerlich fand ich eine Szene im letzen Urlaub in einem Spielehaus mitten im Gewühl, wo ein nach meiner Einschätzung, etwa 3-4-jähriges Mädchen zur Mutter gelaufen kam, diese ihr Kleid hochhob, das Mädchen darunter kroch und begann zu saugen.

Im Nachhinein betrachtet fand ich es nicht mehr lächerlich, sondern es hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn was geht da möglicherweise psychologisch in dem kleinen Mädchen vor, das vielleicht schon in den Kindergarten geht und überall auf andere, selbständige Kinder trifft. Wird es gehänselt, werden ihm Fragen gestellt, stellt es sich vielleicht irgendwann selbst in Frage?

Ich habe beide Kinder gestillt. Champ in etwa 6 Monate lang, dann hat er sich mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen selbst abgestillt. Bei ihm hat das Stillen soweit gut geklappt und ich hatte auch genug Milch, er wurde satt.

Bei Princess waren es etwa 4 Monate, dann bekam ich eine Seitenstrangangina und brauchte Antibiotikum und somit lief das Stillen aus. Da es bei Princess aber von Anfang an schon so war, dass nur Stillen nicht ausreichte, hat sie sowieso schon immer auch zusätzlich Pre-Nahrung aus der Flasche bekommen.

Ich bin ganz froh und dankbar, dass mir in beiden Fällen die Entscheidung, wie lange ich stille, von außen und auf ganz natürliche Weise abgenommen wurde. Ich weiss nicht, wie ich es sonst gemacht hätte, denn ich finde, richtig planen, kann man das nicht. Und einen Plan hatte ich ja sowieso keinen, ich hatte vorher nicht groß darüber nachgedacht.

Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass Kinder, wenn sie bereits Zähne haben nicht mehr gestillt werden müssen. Denn schließlich heißen Kinder im allgemeinen Sprachgebrauch auch nur bis zum Alter von etwa 12 Monaten „Säuglinge“ und danach sind es eben Kleinkinder. Zudem ist das Stillen im Bezug auf die Immunisierung des Babys ja auch nur in den ersten Wochen und Monaten wichtig.

Für mich war das Stillen immer eine Kuschelzeit, eine Zeit der Bindung und es war für mich etwas sehr Persönliches. Deswegen gibt es auch kaum Fotos von mir beim Stillen und deswegen habe ich es auch nur sehr ungern, wenn überhaupt  in der Öffentlichkeit gemacht. Ich habe immer versucht, einen „privaten Raum“ für das Stillen zu finden. Denn dann war ich entspannter und meine Kinder auch.  Zudem wurden sie dann nicht vom Trinken abgelenkt.

Wieso das so war, weiß ich nicht, ob es an mir lag oder an der Öffentlichkeit, keine Ahnung. Es war eben so, Stillen in der Öffentlichkeit ging für mich nicht.

Es war eine schöne Zeit, eine Zeit der Nähe, die ich auch nicht missen möchte. Aber es war auch genau so schön, als es vorbei war und man wieder „normale“ Kleidung tragen konnte, keine Angst mehr vor Milchauslaufflecken auf der Kleidung zu haben brauchte. Ich hatte deswegen trotzdem nicht das Gefühl, dass ich nun meinen Kindern weniger nah war, denn getragen habe ich sie auch nach dem Stillen ganz viel, und viel Kuscheln tun wir bis heute (vor allem Champ). Ich hatte das Gefühl, dass mir das Ende des Stillens ein großes Stück von mir selber und meiner Freiheit wiedergegeben hatte.

Bei uns gehörte zum Stillen immer das Stillkissen, ein Kuscheltuch, ein Teddy, mindestens noch ein weiteres Kissen und ein bequemes Sofa. Das war beim Trinken vom Fläschchen genauso.

Und beide Kinder (Princess tut das immer noch) haben ganz lange Zeit morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen und manchmal auch, wenn sie nichts mehr mit sich anzufangen wußten und müde waren, immer noch ihre Milch (Kuhmilch, beide Kinder trinken seit etwa dem 10. Lebensmonat nur noch Kuhmilch und keine Fomula-Milch mehr) aus der Saugflasche getrunken.

Das finde ich auch ok so und habe nie versucht, ihnen dies zu nehmen, genau so wenig, wie den Schnuller. Aber, was ich eben nicht ok fand, war, dass ich als Mama, diese Ersatz-oder Beruhigungsschnuller-Rolle durch Langzeitstillen übernehmen sollte.

Ich weiß, dass das Thema Stillen in den verschiedenen Kulturen ganz unterschiedlich gehandhabt und betrachtet wird und das ist auch gut so. Denn es gibt viele Faktoren, die hierauf einen Einfluß haben, wie klimatische Bedingungen, Armut, Religion und Tradition. Dennoch bin ich der Meinung, dass es eine sehr persönliche Sache ist und weder auf die Mutter, noch auf das Baby Zwang ausgeübt werden darf.

Wenn eine Mutter nicht mehr stillen möchte, dann hat sie sicherlich ihre Gründe dafür und sollte es auch nicht mehr tun.

Wenn ein Baby nicht mehr gestillt werden möchte, dann sollte man auch das respektieren, und nicht versuchen, es zu erzwingen, indem man es dennoch immer wieder versucht.

Manchmal geht es nicht, manchmal soll es nicht sein, manchmal ist alles anders und noch dazu anders als im Ratgeber: Dann ist es eben so. What to do.

Am wichtigsten ist doch das Gefühl, wie geht es mir dabei und wie geht es dem Baby, tut es beiden gut oder nicht? Und das muss jeder selber und für sich fühlen und entscheiden dürfen.

Und wie war das bei Euch mit dem Stillen, wie habt Ihr Euch gefühlt?

Eure,