So einfach kann es sein!


 

 

Es war ein ganz normaler Abend – eigentlich – mein Sohn saß im Badezimmer auf dem Boden und versuchte seine Hose und Strumpfhose auszuziehen, um dann endlich seine Pyjamahose anzuziehen.

Ich stand am Waschbecken, putzte meine Zähne und beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Innerlich bereitete ich mich schon darauf vor, gleich ein “Manno, ich kann das nicht, blöde Hose, alle Hosen sind doof, das geht ja nie”-Jaulen zu hören oder vielleicht gleich eine der beiden Hosen durchs Bad fliegen zu sehen.

Mein Kopf und meine Ohren bereiteten sich auf das Geschrei vor, diesen Ton des Jaulens, bei dem ich oftmals denke “mir zerspringt etwas im Ohr”.

Ich versuche mich zu sammeln, zu “planen”, was ich mache, wie ich reagiere. Schaffe ich es ruhig zu bleiben? Gehe ich hin und helfe, obwohl ich weiß, dass das nicht die Lösung sein kann, denn dann komme ich da nie wieder heraus? Rege ich mich auch auf und mache mir Luft? Was tue ich, was ist richtig? Was wäre hier das lösungsorientierte Handeln?

Ich möchte in jedem Fall das Jaulen sofort abstellen, es nicht weiter ansteigen lassen. Ich bin müde, habe noch alle möglichen Dinge zu erledigen und habe keine Lust auf sinnlose, irrationale “Jaule-Diskussionen”.

Meine Gedanken gehen immer weiter und plötzlich wird mir bewusst: Ich hab’ meine Zähne geputzt, aber das Jaulen ist bisher ausgeblieben, es ist immer noch ruhig im Badezimmer.

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Ich bin verwundert, sage aber noch nichts, sondern betrachte weiterhin meinen Sohn auf dem Boden.

Ich bin überzeugt, das Geschrei bricht gleich aus und dann umso doller.

Aber es bleibt aus! Er sitzt einfach nur da, fummelt an der Hose herum und schliesslich schafft er es: Die Hose ist ausgezogen! Dann fängt er an, die Strumpfhose auszuziehen, was nun auch gleich klappt.

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Jetzt bemerkt er, dass ich ihn angucke, schaut mich verwundert an und fragt: “Was ist denn Mama, wieso guckst Du denn so?” Und ich sage zu ihm: “Champ, was ist los? Du hast die Hose eben einfach so ausgezogen ohne Jaulerei und Geschrei? Wie kommt das, ich dachte schon, so etwas geht gar nicht?”

Darauf sagt mein Sohn grinsend zu mir” Mama, ich hatte erkannt, die Lösung war nicht mit dem Mund, sondern mit der Hand!”

Das war eine Antwort, mit der ich nicht gerechnet hatte, eine Antwort, die besser nicht hätte sein können, eine Antwort, die mich zum Schmunzeln gebracht hat.

Daruaf habe ich ihm geantwortet: “Champ, das war der Satz des Tages, den merke ich mir und den wirst du demnächst immer mal wieder hören!”

Und wir haben beide gelacht!

Diesen Satz habe ich seither oft und in vielen Situationen gesagt. Manchmal konnten wir beide grinsen, und der Satz hat geholfen. Aber oft hilft er leider eben doch nicht. Und das muss ich noch verstehen, wieso es manchmal geht und wieso manchmal eben nicht.

Wahrscheinlich hängt es eben einfach von seiner Laune und meiner ab:

  • Wieviel Geduld habe ich, wieviel er,
  • Wie müde ist er, wie müde bin ich?
  • Musste es schnell gehen?
  • Habe ich zu oft etwas gesagt oder zuviel?
  • Was ist gerade vor dem “Ereignis” passiert?
  • Was war sein Plan, was war meiner?
  • Am Morgen: Wie war seine Nacht, wie meine?

Nun versuche ich mir den Satz auch selber manches mal in Erinnerung zu rufen, das klappt nämlich auch!

Wie ist das bei Euch in Trotz-/Jaul-?Heul- und Schreisituationen? Wie reagiert Ihr, was hilft Euch?

Eure,

kate