Das Projekt: IBI = Ich Bin Ich – im Gespräch mit der Traumapädagogin Tina Seiler

Interviewfragen zum Thema: IBI = Ich Bin Ich –  ein Projekt für Kinder zur Selbstwertstärkung – vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen

Im Gespräch mit Frau Tina Seiler,  Trauma-Pädagogin, DIS & DAS GbR, Wolfenbüttel

IBI = Ich Bin Ich - Prävention-Projekt - Selbstwertstärkung - vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen

  1. Wer oder was ist IBI? – IBI = Ich Bin Ich

IBI = Ich Bin Ich ist eine speziell für das Projekt angefertigte Puppe, die die Kindern auf dem Weg zur Stärkung des Selbstwertes und des Selbstvertrauens begleitet.

Man könnte IBI in folgender „Stellenbeschreibung“ zusammenfassen:

IBI ist frei von Geschlechterrollen und den oftmals zugewiesenen Rollenbildern und Erwartungen

IBI bietet eine andere Definition von „schön sein“, „richtig“ oder „falsch“ sein

IBI vermittelt Werte wie Respekt, Liebe, Toleranz und Achtung

IBI kann für die „sprachlosen“ Kinder Worte finden

IBI kann über alles reden

IBI kann schweigen

IBI zuhören und einfach da sein

IBI kann Wärme und Geborgenheit geben

IBI ist flexibel bei Methoden und Spielen einsetzbar

IBI versteht die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder

IBI verurteilt nicht und erwartet nichts

IBI ist besonders und einzigartig – so wie jedes einzelne Kind

  1. Was macht IBI? – IBI = Ich Bin Ich

IBI zeigt den Kindern, dass sie so wie sie sind, gut und richtig sind. Es geht um die Entwicklung und Stärkung des Selbstvertrauens und der eigenen Wahrnehmung. Kinder durch IBI die Bestätigung, ihren Gefühlen zu vertrauen, eigene Bedürfnisse zu äußern und sich Hilfe zu holen, wenn sie diese brauchen.

IBI vermittelt eine Haltung, die auf der Grundlage basiert, jeder Mensch hat das Recht mit seiner Individualität gesehen und wertgeschätzt zu werden.

  1. Wie ist das „Projekt IBI“ aufgebaut? – IBI = Ich Bin Ich

Kennenlernen:

„Hallo, ich bin IBI und wer bist Du?“

Individualität:

„Du und ich – wir sind besonders!“

Gefühle:

„Wie fühlt sich das an?“ & „Jeder Eindruck braucht einen Ausdruck“

Umgang mit Kummer und Sorgen:

„IBI und die Sorgentasche“

Die heilende Kraft der Fantasie:

„Lasst und träumen!“

Das sind die elementraren Bausteine des Projektes. Die Individualität jedes einzelnen Kindes bestimmt die Besonderheit der einzelnen Gruppe. Deshalb werden die Inhalte generell flexibel gestaltet. Es gibt keine festgelegte Reihenfolge oder Größenordnung der Bausteine. Die Gruppe entscheidet mit Ihren Erfahrungen, Wünschen und Bedürfnissen, welche Themen intensiver besprochen werden und ggf. einen Schwerpunkt bilden.

IBI richtet sich an Kinder im Vorschulalter von 5-6 Jahren. Die Gruppen sind gemischtgeschlechtlich und haben eine Größe von max. 8 Kindern. IBI findet über einen Zeitraum von 8 Wochen statt, mit wöchentlichen Treffen mit den Kindern für je 60 Minuten.

  1. Wie ist der Start in das Projekt – wie begrüßt IBI eine neue Gruppe? – IBI = Ich Bin Ich

Die ersten Momente in einer neuen Gruppe sind für alle Beteiligten sehr aufregend. Die besondere Aufgabe besteht darin eine vertrauensvolle Gruppenatmosphäre zu schaffen. Unsicherheiten und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden. IBI hat ein besonders interessantes, äußeres Erscheinungsbild und wirft viele Fragen bei den Kindern auf.

„Was bist Du eigentlich? Ein Tier? Ein Junge oder ein Mädchen? Und wie alt bist Du? Und wo wohnst Du? Wo sind Deine Eltern? Hast Du überhaupt Eltern?“

Jedes Kind bekommt Gelegenheit mit IBI zu sprechen, Fragen zu stellen und IBI auch zu berühren und zu halten. IBI selbst ist auch sehr neugierig auf die Kinder. Sie dürfen etwas von sich erzählen und bekommen genügend Raum, um sich nicht nur gegenseitig kennenzulernen, sondern sich in ihrer Person selbst wahrzunehmen. Mit IBI’s Hilfe werden sich die Kinder mit Fragen „Wer bin ich?“ und „Was macht mich aus?“ auseinandersetzten. Es werden Übungen angeboten, die auf die Wahrnehmung der eigenen Identität abzielen und somit sensibilisieren.

  1. Unsere kleinen Engel… ein Kernstück des Projektes? Wie wichtig sind die Engel? – IBI = Ich Bin Ich

Kinder brauchen Rituale genauso wie sie Lob und Anerkennung benötigen. Ein fester Bestandteil unseres Projektes sind die kleinen Schutzengelkarten . Die Augen der Kinder beginnen zu leuchten, sobald zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit jeder/jede eine Engelskarte für den Tag ziehen darf. Gemeinsam sprechen wir über die Bedeutung des Engels und bestärken die Botschaft des jeweiligen Engels. Sichtbar stolz gehen die Kinder in ihren Tag und sind sich sicher, sie sind nicht alleine. Eine unglaublich tolle Kraftquelle.

Unsere Erfahrung in der Arbeit mit Kindern hat gezeigt, dass es Kindern viel Freude bereitet, an Engel zu glauben. Sie geben Kraft, Mut, beschützen, trösten…lassen nicht alleine. Ein wunderbares Mittel, um auch das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken.

  1. Individualität, wie macht IBI das? – IBI = Ich Bin Ich

„Du und ich – wir sind Besonders!“

Kinder werden in unserer erfolgsorientierten Leistungsgesellschaft schon sehr früh mit diversen Erwartungshaltungen konfrontiert. Insgesamt herrschen aktuell enorm hohe Ansprüche an das „Kind sein“ und die „angemessene“ kindliche Entwicklung. Wenn ein Kind im vorgegebenen Raster und Rhythmus nicht mithalten kann oder sich nicht altersgemäß verhält, dann wird oftmals und allzu schnell von einer Entwicklungsverzögerung oder Verhaltensauffälligkeit gesprochen.

Was jedoch oft beim Kind zurückbleiben kann, ist das grundlegende Gefühl „ich bin nicht richtig“.

IBI spricht mit den Kindern über Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Was bedeutet es, ähnlich oder anders zu sein?

IBI vermittelt den Kindern, dass jedes von ihnen absolut einzigartig und wunderbar ist – so wie es ist und so, wie IBI es eben auch ist.

IBI = Ich Bin Ich - Präventions-Projekt - Selbstwertstärkung - Engelskarten - Vom Urvertrauen zum Selbstvertrauen

  1. Kinder und ihre Gefühle – kann es manchmal passieren, dass Kinder überwältigt sind von ihrer Gefühlswelt und damit nicht so recht klarkommen? – IBI = Ich Bin Ich

Kinder erleben in ihrem Alltag die unterschiedlichen Gefühle sehr intensiv. Was auch immer ihnen begegnet , es löst bestimmte Emotionen aus, wie z.B. Beispiel Freude, Angst, Traurigkeit, Wut, Neugier….Jedes Kind bringt diese Gefühle individuell zum Ausdruck. Viel zu oft erscheint die „kindliche Gefühlswelt“ für die Erwachsenen nicht nachvollziehbar. Im schlimmsten Fall wird den Kindern das Gefühl „abgesprochen“, wie z.B. „es ist doch gar nicht so kalt“ oder „du musst keine Angst haben“ und „es gibt keinen Grund wütend zu sein“ Dadurch verlieren Kinder die Fähigkeit, ihren Gefühlen und damit auch sich selbst zu vertrauen.

Sie machen auch die Erfahrung, dass es „gute“ und „schlechte“ Gefühle gibt – Gefühle, die sie zeigen dürfen und Gefühle, die nicht sein dürfen. Kinder fühlen anders als Erwachsene.

Die Erwachsenen haben oftmals verlernt, ihre Gefühle überhaupt wahr- und ernst zunehmen.

Jeder Mensch hat bereits als Kind eine innere Stimme, die uns sagt, was in uns vorgeht und was zu tun ist. Ob sich diese innere Stimme bei einem Kind entwickeln darf, ob sie laut werden darf, ob Kinder auf diese Stimme hören und ihr vertrauen oder ob sie unterdrückt werden muss, ist auch abhängig davon, wie Erwachsene Kinder dabei fördern und unterstützen.

Es ist von elementarer Bedeutung, dass Kinder ihre eigenen Gefühle sowohl wahrnehmen, einordnen, benennen und ausdrücken können, als auch sie zu respektieren und ernst zu nehmen. Gefühle sind Ausdruck der Persönlichkeit und eine Art Kompass, der Orientierung und Halt geben kann.

Wenn Kinder ihren Gefühlen vertrauen, sie Worte für ihre Empfindungen haben und sie bei ihrem individuellen Ausdruck ihrer Gefühle von Erwachsenen ernst genommen werden, können sie insgesamt in ihrem Selbstwert und ihrem Selbstbewusstsein gestärkt werden, so dass sie auch mit belastenden Situationen viel besser umgehen können.

  1. Eine abschließende Frage: Frau Seiler, IBI ist Ihnen ein Herzens-Projekt, richtig? – IBI = Ich Bin Ich

Ja, das ist richtig, IBI ist ein Herzens-Projekt von mir. Ich habe in meiner Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen irgendwann festgestellt, dass es viele Sackgassen gibt, an denen man nur schwer oder manchmal vielleicht auch gar nicht weiterkommt. Dadurch entstand bei mir die Erkenntnis, dass man schon viel früher ansetzen muss, nämlich im Kindes-oder Kleinkindalter. Wenn hier die Weichen richtig gestellt werden, den Kindern der Zugang zu Gefühlen „erlaubt“ wird, sie ihn erleben dürfen, dann stärkt dies die Kinder und sie sind in der Lage auch mit schwierigen Situationen besser umzugehen und Vieles wird dann erst gar nicht zu einem „Problem“, sondern bleibt lediglich eine Herausforderung, die gemeistert wird.

Ganz herzlichen Dank, Frau Tina Seiler, für Ihre Zeit und Ihre Mühen! Vielen Dank für Ihr Vertrauen, dass ich Ihr Herzens-Projekt – von dem ich übrigens auch persönlich absolut überzeugt bin und das mein Sohn und ich lieben –  hier im Blog vorstellen durfte! Ich wünsche mir, dass auch meine Tochter die Gelegenheit bekommen wird, an diesem Projekt teilzunehmen : )

Interview-Zusammenstellung und Idee: Kate von cocktail-kids-mom.com

Eure,

PS.: Falls Ihr hier noch nicht so lange mitlesen solltet, könnt Ihr hier mehr über uns erfahren : )